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DIE  BEDEUTUNG  DER
MOTORISCHEN  UND  TECHNISCHEN
FÄHIGKEITEN 
IM  KAMPFSPORT

 

WORUM GEHT ES?
 

MOTORISCHE UND TECHNISCHE FÄHIGKEITEN
 

DIE PRÄSENZ DER MOTORISCHEN FÄHIGKEITEN - PRIMÄRE UND SEKUNDÄRE FAKTOREN
 

DEFINITIONS- UND VERGLEICHSANALYSEN
 

VERFÜGBARKEIT DER MOTORISCHEN FÄHIGKEITEN:
NICHT- bzw. SUBLINEARE ZUSAMMENHÄNGE

 

FUNKTIONALE GRENZEN IN DER WIRKUNG VERSCHIEDENER FÄHIGKEITEN
 

INDIVIDUELLE KAMPFKRAFT - WORAUS RESULTIERT SIE?
 

ZUSAMMENFASSUNG

 

WORUM GEHT ES ?

Aktive Sportler wie Laien äußern sich mitunter überaus kontrovers wenn es darum geht, die Bedeutung (oder sagen wir "Wirkung") allgemeiner oder spezieller körperlicher und technischer Fähigkeiten im Zusammenhang mit Kampfsituationen zu bewerten! Man bemüht sich oftmals darum, lineare und absolute Aussagen zu treffen, die sich dann bspw. so anhören:

"Kraft nutzt mehr als Technik!"
"Koordination ist bedeutsamer als Ausdauer!"
"Eine spezifische Stärke kann alle anderweitigen Defizite kompensieren!"
"Nur im Verbund sind verschiedene Fähigkeiten von Nutzen!"

 

Auch bezüglich des Kampfsports insgesamt oder einzelner Sparten werden solche starre und dogmatische Aussagen getroffen, etwa wie:

"Judo ist wirkungslos!"
"Teak-Won-Do ist effektiver wie Bushido!"
"Wing-Tsung nutzt weniger als Kickboxen!"
"Kampfsport insgesamt ist Käse weil ein körperlich überlegener Gegner auf jeden Fall gewinnt!"

Nachfolgend versuche ich zu verdeutlichen, dass solche Formulierungen grundsätzlich nicht anwendbar sind! Derlei Aussagen beschreiben keine Gesetzmäßigkeiten, sondern zum Teil denkbare Effekte, die unter bestimmten Bedingungen eintreten können!

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MOTORISCHE UND TECHNISCHE FÄHIGKEITEN

 

Unter Verweis auf den Menuepunkt "Sportbiologische Begriffserklärungen" 
 in der Startseite fasse ich mich hier möglichst kurz!

Unter den motorischen Grundfähigkeiten des Körpers versteht man seine Leistungseigenschaften KRAFT, AUSDAUER, BEWEGLICHKEIT, SCHNELLIGKEIT und KOORDINATION.

 

 Die motorische Fähigkeit KRAFT  bezeichnet die willkürliche Fähigkeit des Körpers, äußere physikalische Widerstände zu überwinden.

SUBKATEGORIEN Maximalkraft, Schnellkraft und Maximalkraftausdauer

 

Die motorische Fähigkeit AUSDAUER  bezeichnet die Fähigkeit des Körpers,
 der körperlichen Ermüdung standzuhalten.

SUBKATEGORIEN:  Aerobe Ausdauer (=Sauerstoffversorgung der Muskulatur ist gewährleistet) und Anaerobe Ausdauer (=Kraftausdauer: keine Sauerstoffversorgung der Muskulatur während der Bewegungsausführung) sowie Allgemeine Ausdauer (wenn mehr als 1/7 der Gesamtkörpermuskulatur an der Bewegungsausführung beteiligt ist) und lokale Ausdauer (bei Beteiligung von weniger als 1/7 der Gesamt-Körpermuskulatur).

Die motorische Fähigkeit KOORDINATION untergliedert sich in intramuskuläre und intermuskuläre Koordination und bezeichnet das
Zusammenwirken von Zentralnervensystem und Skelettmuskulatur innerhalb gezielter Bewegungsabläufe.
 

Die motorische Fähigkeit SCHNELLIGKEIT untergliedert sich in die SUBKATEGORIEN Startkraft und Explosivkraft und bezeichnet die Fähigkeit,

a) auf einen Reiz/ ein Signal hin in kürzester Zeit zu reagieren
b) zyklische oder azyklische Bewegungen bei unterschiedlichen Widerständen mit höchster Geschwindigkeit auszuführen.

PS: Eine weitere sportbezogene Definition von Schnelligkeit bezeichnet die Fortbewegungsgeschwindigkeit (beim Sprinten oder Laufen), welche unter kampfsportlichen Aspekten natürlich unrelevant ist.

Die motorische Fähigkeit BEWEGLICHKEIT bezeichnet im sportbiologischen Sinne die Fähigkeit, in Gelenken Bewegungen bis zu bestimmten natürlichen (funktionellen) Grenzen ausführen zu können.

 

Unter technischen Fähigkeiten
versteht man allgemein die Fähigkeit, (kampf)spezifische Bewegungsabläufe in zeitlich und technisch korrekter Weise ausführen zu können. Die verschiedenen Kampfsportarten wie Ringen, Judo, Aikido, Ju-Jitsu, Karate, Kick- und Thaiboxen, etc. kann man als verschiedene Kampfsysteme bezeichnen, in denen es jeweils spezifische Bewegungsmuster oder technische Grundprinzipien gibt. Das körperliche Leistungsmerkmal KOORDINATION ist für die Ausführung technischer Bewegungsabläufe unentbehrlich. Mitunter verschmelzen die Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch, müssen aber sehr wohl differenziert werden! Technische Fähigkeiten bezeichnen also das Arsenal an Bewegungsabläufen oder Bewegungsmuster über die ein Mensch willkürlich verfügen kann. Die Koordination beschreibt die Präzision und das Steuerungsvermögen, in der die betreffenden Bewegungen ausgeführt werden können.

 

AUSPRÄGUNGSGRADE

Jeder Mensch verfügt über sämtliche dieser o.g. Fähigkeiten, wenn auch ggf. nur im Minimalbereich. Um ein Stück Würfelzucker in die Kaffeetasse zu geben benötige ich bereits im minimalen Umfang Kraft, Beweglichkeit und Koordination!
 Bei jedem Menschen lassen sich die körperlichen und technischen Leistungsmerkmale durch Training verbessern, bei manchen auch u.U. (je nach Individuum) nur geringfügig! Unabhängig davon ob jemand Sport treibt oder nicht verändern sich die Ausprägungsgrade der einzelnen Fähigkeiten im Verlauf des Lebens ohnehin! Dies geschieht zum Einen deshalb, weil sich der Körper auch auf eher geringfügige Änderungen des Lebenswandels einstellt (insbesondere auf Zu- oder Abnahme der allgemeinen körperlichen Bewegung). Zum Anderen unterliegen wir alle einem biologischen (onteologischen) Wandel, der mit unserer Geburt beginnt und der mit dem letzten Herzschlag endet. Im Kindesalter reifen unsere motorischen Fähigkeiten heran, erreichen frühestens ab dem 18. Lebensjahr ihren Höhepunkt um dann spätestens nach dem 35. Lebensjahr wieder zunächst schleichend nachzulassen! Je älter man wird umso drastischer schwindet der Leistungsgrad vieler dieser Fähigkeiten (insbesondere auch die Kraft)!

Warum sind diese Fähigkeiten beim Einen weniger, beim Anderen mehr; bei manchen allgemeiner, bei manchen spezieller ausgeprägt und warum reagieren Menschen unterschiedlich stark auf Trainingsreize?

Hierzu nenne ich zwei Stichpunkte: Veranlagung und Potential:

Unter Veranlagung ist jener körperliche Leistungszustand zu verstehen, den eine erwachsene (=körperlich ausgereifte) Person im untrainierten Zustand aufweist.

Der Begriff Potential bezeichnet jenen körperlichen Leistungszustand, den eine erwachsene Person unter der Voraussetzung optimaler Trainings-, Erholungs-, und Ernährungsbedingungen aufweisen könnte!

 

Warum ist jeder Mensch individuell veranlagt und warum hat jeder ein individuelles Potential?

Das hat neben Alter und Geschlecht mit der Genetik zu tun! Man unterscheidet drei  verschiedene "Morphologische Konstitutionstypen" (ektomorph, endomorph und mesomorph), die sich in Bezug auf zahlreiche Parameter ( z.B. Blutdruck, Ruhepuls, Stoffwechselniveau, Hormonpegel, Knochendichte und -bau, Muskelmasse,  Enzymtätigkeit, Verdauungs- und Nährstoffresorptionsfähigkeit, Sensibilität des Nervensystems und einiges mehr) mitunter sehr deutlich unterscheiden! Viele Menschen entsprechen am Rande bemerkt irgendeiner Zwischenform dieser morphologischen Konstitutionstypen!

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DIE PRÄSENZ DER MOTORISCHEN FÄHIGKEITEN - PRIMÄRE UND SEKUNDÄRE FAKTOREN

  Eine Ursache hierfür, das sich physische Leistungsbilder im zwischenmenschlichen Vergleich mannigfach unterscheiden und letztlich so individuell wie unsere Fingerabdrücke sind, liegt u.a. darin begründet, dass sich der Grad der jeweiligen Ausprägung aus verschiedenen  organischen Ursachen ergibt!

 

VEREINFACHTE SICHTWEISE:
Kraft resultiert aus der Muskelmasse, Ausdauer aus der Lungenkapazität, Beweglichkeit aus der Gelenkigkeit, Koordination aus dem Nervensystem und Schnelligkeit aus dem Zusammenspiel aus Nerven und Muskulatur!
 Ist das wirklich so?
 Jein! Diese Zusammenhänge sind zwar richtig, aber nicht vollständig! Nachfolgend differenzieren wir zwischen primären und sekundären Einflussgrößen:

 

KRAFT

Der Primärfaktor
für die Ausprägung der Körperkraft ist die Muskelmasse! Je größer die Muskelmasse ist die an einer Bewegung eingesetzt werden kann, umso höher sind die daraus resultierenden Kraftwerte!

 

Die Sekundärfaktoren sind:

1.Die Muskelfaserverteilung. Hierbei geht es um das Verhältnis von roten zu weißen Muskelfasern, welches veranlagungsbedingt von Mensch zu Mensch variiert. Rote Muskelfasern kontrahieren langsamer und ausdauernder als weiße Fasern. Sie verfügen über mehr Mitochondrien, Myoglobin und Glykogen. Ihre elektrische Erregbarkeit ist geringer als jene der weißen Fasern und die Erregnungsleitung ist langsamer. Gute Marathonläufer und Sprinter unterscheiden sich übrigens besonders stark im jeweiligen Verhältnis dieser beiden Faser-Typen! In Tierversuchen war es angeblich möglich das Muskelfaser-Verhältnis zu verändern. Beim Menschen ist dies nach aktueller Lehrmeinung  nicht möglich! Hier besteht  sozusagen ein „Diktat der Gene“.

 2. Die sog. „willkürliche Kontraktionsfähigkeit“. Dieser Begriff bezeichnet die Anzahl jener Muskelfasern, die man willkürlich an einem Bewegungsablauf einsetzen kann. Im Allgemeinen ist man der Annahme zugeneigt, das bei kraftvollem Körpereinsatz  zwangsläufig sämtlicher Fasern der beteiligten Muskelgruppen aktiviert würden! Tatsache aber ist: Nur auf dem elektrischen Stuhl kann man alle Muskelfasern anspannen!

3.Die anatomischen Besonderheiten des passiven Bewegungsapparates (bspw. Länge der Gliedmaßen ), sowie spezifische Beschaffenheiten der Gelenke (Bewegunsradius, Gelenkstatik) und die daraus resultierenden Hebelwirkungen.

4. Koordinative Aspekte: Bei anspruchsvollen Bewegungsabläufen (etwa beim Reißen und Stoßen im Gewichtheben) kann die optimale Kraftentfaltung nur durch einwandfreie technische Ausführung erreicht werden! Die Präsenz der erforderlichen Muskelkraftleistung allein reicht hier nicht aus!

Nachfolgende Abbildungen zeigen zwei konkrete Beispiele von sehr leistungsstarken Bankdrückern, deren erstaunliche Kraftleistungen weit über das hinausgehen, was ihnen in Bezug auf ihre Muskelmasse zuzutrauen wäre! Aus der Tatsache dass Kraftleistungen (und andere motorische Leistungen) auch aus eher unterschwelligen Sekundärfaktoren mit-resultieren ergibt sich der Effekt, dass sich physische Leistungen  im zwischenmenschlichen Vergleich nicht immer linear zum Ausprägungsgrad der ihnen zugrunde liegenden primären Organfunktionen befinden! Mehr Muskelmasse (gegenüber einer Vergleichsperson) bedeutet in keinem Fall IMMER auch höhere Kraftwerte! Gerade im Bankdrücken spielen auch anatomische, den Knochenbau betreffende Faktoren bedeutsam mit: Die Gelenkstatik, die Schulterbreite, der Umfang des Brustkorbes und die Länge der Arme sind hier zu nennen.

217,5 kg im Bankdrücken bei nur 67,5 kg Körpergewicht!

Für Alexey Sivikon scheinen die Gesetze  der Schwerkraft  nicht zu gelten

- zumindest nicht wenn er zur Hantel greift! 


 

Ein für Schwerathleten - Verhältnisse unscheinbarer Körper - aber eine unvorstellbare Kraftleistung!

George Halbert läßt bei 88kg Körpergewicht 310 Kilo von der Bank schweben.

Da staunen nicht nur Laien Bauklötze!
Auf jeder Rocker-Fete findet man spielend muskulöserer Leute mit mehr Oberarmumfang als G.Halbert! Aber vermutlich gibt es auf der ganzen Welt eine maximal zweistellige Zahl an Männern die seine Bankdrückleistung gleich - oder überbieten!

 

AUSDAUER

Der Primärfaktor

für die Ausprägung der Ausdauer  wird durch die Kapazität des Herz-Kreislaufsystems, insbesondere durch das Herz- und Lungenvolumen, das Herzschlagvolumen und die maximale Sauerstoffaufnahmekapazität definiert.

 

Sekundäre Einflussgrößen
sind u.a. die Kapillarisierung der Muskulatur (Anzahl der kleinsten, die Zelle versorgenden Blutgefäße), die Fähigkeit der Leber rote Blutkörperchen zu produzieren (diese transportieren Sauerstoff) sowie diverse Stoffwechsel - und Enzymfunktionsparameter.

 

SCHNELLIGKEIT

Der Primärfaktor
für die Schnelligkeit ist in der sog. "Reiz-Reaktionszeit" zu sehen, also in der Fähigkeit, auf einen Reiz hin schnellstmöglich eine Reaktion einzuleiten.

Als Sekundärfaktoren
sind hier die Qualität diverser Prozesse innerhalb des Nerven-Muskel-Systems zu nennen, welche die  Startkraft (= Fähigkeit der Muskulatur vom Anfangsmoment der Anspannung in kürzester Zeit eine Möglichst hohe Kraft zu entwickeln) und die
 Explosivkraft (=Fähigkeit der Muskulatur einen bereits begonnenen Spannungsanstieg so schnell wie möglich weiterzuentwickeln) ermöglichen.

BEWEGLICHKEIT

Der Primärfaktor
für die Beweglichkeit  ist in der Art und der Struktur der Gelenke zu sehen.

Sekundärfaktoren
sind die Dehnfähigkeit von Muskeln, Bändern, Sehnen.

 

KOORDINATION

PRIMÄRFAKTOREN
für die Koordination sind jene, die das Nervensystem an sich betreffen, etwa die Präzision  sensomotorischer Vorgänge auf neuronaler Ebene, sowie Anzahl und Qualität sog. "motorischer Programme" (kinästhetische Bewegungsvorstellungen) die nach Ansicht vieler Forscher u.a. in Kleinhirn und den sog. Basalganglien lokalisiert sein dürften.

Sekundäre Faktoren
 sind solche, die das Zusammenspiel zwischen Muskulatur und Nerven bzw. verschiedener, an einem Bewegungsablauf beteiligten Muskelgruppen betreffen. Hierunter kann man bspw. die Anzahl und Sensibilität der sog. "motorischen Endplättchen" verstehen, an denen die Nervenfasern an das Muskelgewebe andocken.

 

TECHNISCHE FÄHIGKEITEN

Bei der Ausführung technischer Bewegungsabläufe spielen je nach Komplexität der Bewegung viele, das Nervensystem betreffende Einzelfaktoren zusammen! Die besagten Faktoren ermöglichen den Gleichgewichtssinn, das Orientierungsvermögen, das Reaktionsvermögen, die Kombinations- bzw. Kopplungsfähigkeit, die Rhytmisierungsfähigkeit, die Differenzierungs- bzw. Steuerungsfähigkeit sowie die motorische Anpassungs-und Umstellungsfähigkeit.

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DEFINITIONS- UND VERGLEICHSANALYSEN

Es gibt mehrere Möglichkeiten die physischen Leistungsbilder von Menschen zu bewerten und zu vergleichen

A) KATEGORIENBILDUNG

Eine Kategorie ist ein Ordnungsraum für Eigenschaften und Merkmale. Viele Dinge lassen sich sehr leicht kategorisieren, etwa wenn ich Fortbewegungsmittel in Land-, See-, und Luftfahrzeuge differenziere.

Wenn ich Personen anhand ihrer motorischen und technischen Leistungsfähigkeit kategorisieren will, tauchen diverse Probleme auf:

1. Die Zugehörigkeit zu einer Kategorie schließt die Zugehörigkeiten zu anderen Kategorien nicht immer aus! Ein "starker" Mensch kann - unter Voraussetzungen auf die wir noch zu sprechen kommen- u.U. auch zudem "ausdauernd", "schnell" und "koordiniert" sein!


2. Die "Relativität"! Je nachdem wen ich mit wem konkret vergleiche, verändern sich die Attribute!


3. Die Schwierigkeit "objektive" Kriterien zu definieren! Ab wann bezeichne ich jemanden als "stark", "ausdauernd", "schnell", "koordiniert", "beweglich" und "technisch ausgereift"? Ist jemand der 150 Kilo im Bankdrücken schafft stark? Im Vergleich zum "Durchschnittsmenschen" ganz sicher! Im Vergleich zur absoluten Weltrekordleistung ist er erbärmlich schwach! Die lag in den frühen 90er Jahren bei über 360 kg und dürfte zwischenzeitlich wohl um einiges höher geschraubt worden sein!

Anstelle von "starren" Kategorien mit konkreten Begrenzungen bilden wir eine "Eigenschaftslandkarte"! Von Durchschnittswerten ausgehend definieren wir verschiedene Felder die repräsentativ für bestimmte motorische Fähigkeiten und Leistungsebenen stehen.

 Wir leeren nun einen imaginären "Sack" voller Leute auf den Tisch und schauen uns ihre körperlichen und technischen Leistungsprofile an.

Bei der Differenzierung drängen sich zwei "Hauptpfade" auf: Wir werden erstens feststellen das es  "Generalisten" und "Spezialisten" gibt! Des Weiteren gibt es Menschen die sich entweder in Bezug auf ihre allgemeinen oder hinsichtlich spezieller Leistungsmerkmale in einer tieferen oder höheren Leistungsebene befinden. In nachfolgenden Grafiken gehen wir einfachheitshalber von 4 verschiedenen Fähigkeiten aus. Die verschiedenen Farben könnten repräsentativ etwa für Kraft, Ausdauer, Koordination und Schnelligkeit stehen.

 

Idealisierte Darstellung eines Generalisten:
sämtliche Leistungsmerkmale sind gleichförmig ausgeprägt.
Zwischenform von Generalist und Spezialist: Die Leistungsmerkmale sind asymetrisch ausgeprägt. Idealisierte Darstellung eines Spezialisten: Ein besonderes Leistungsmerkmal überragt die Ausprägung der anderen Leistungsmerkmale signifikant.

 

In nachfolgend grafisch dargestelltem Eigenschaftsfeld  befinden sich die Generalisten im mittleren Bereich während sich die "Spezialisten" in verschiedenen Ecken befinden, die je ein spezifisches Leistungsmerkmal repräsentieren!

Der gelbe Mittelpunkt steht für gleichförmig ausgeprägte Leistungsmerkmale. Die farbigen Randbezirke stehen für spezifische Stärken. Die imaginären Vergleichspersonen sind durch Kreuzchen symbolisiert.

 

In dieser "Eigenschaftslandkarte" sind zu den verschiedenen Spezialbereichen auch verschiedene (übereinanderliegende) Leistungsebenen dargestellt. Der grüne Kreis steht für den "normalen" Leistungsbereich ("Durchschnittsmenschen"), die rote Elypse für einen sehr hohen Leistungsbereich.

 

 

Wenn wir uns nun die Leistungsebenen aufsteigend betrachten, stellen wir folgendes fest: Die "Generalisten" der höheren Ebenen weisen eine zunehmend geringere Vielseitigkeit auf als die Generalisten der unteren Ebenen! Ein "Generalist" aus dem Zentrum einer hohen Leistungsklasse entspräche in einer unteren Ebene tendenziell eher einem Spezialisten! Deshalb sind die gelben "Mittelpunkte" der höheren Leistungsebenen nicht mehr als runde Kreise, sondern als Zentren mit Ausbuchtungen dargestellt. Ferner fächern sich die "Randbezirke" in höheren Leistungsebenen in weitere (vielfältigere) Subkategorien auf!

Abbildungen unten: In höheren Leistungsbereichen fächern sich Eigenschaftsmerkmale (etwa Ausdauer) in weitere Subkategorien auf. Ein Marathonläufer differenziert sich in Bezug auf sein Leistungsprofil deutlich von einem Kurzstreckenläufer! In einer unteren Leistungsebene würde man hingegen grobschlächtig zwischen ausdauer- und kraftbegabten Personen differenzieren!

Marathonläufer Sprinter

  In den höchsten Leistungsebenen können wir eine weitere interessante Beobachtung machen: Hier können Generalisten und Spezialisten nicht mehr miteinander konkurrieren! Die Leistungen der Spezialisten sind so hoch, dass kein Generalist sie gleich- geschweige denn überbieten könnte! Auch Spezialisten nahe verwandter Bereiche können nur noch innerhalb ihres Spezialgebietes Höchstleistungen erbringen! Ein Sprinter würde keinen (überzeugenden) Langstreckenlauf durchziehen können und umgekehrt. Aber selbst innerhalb des Kurzstreckenbereiches sind die (Hoch)leistungssportler enorme Spezialisten, die zumeist nur innerhalb ihrer konkreten Nische (etwa beim100- Meter- Sprint) hervorragende Leistungen erbringen! Aber auch im Kraftsport sehen wir in den höchsten Leistungsebenen ungewöhnlich anmutende  Auffächerungen: Ein typischer Bodybuilder erreicht niemals die Kraftleistungen eines Top-Gewichthebers oder Kraftdreikämpfers! Ein Gewichtheber wiederum würde auf einer Bodybuilding-Bühne eher ausgelacht als bestaunt werden!

Abbildung unten: In höchsten Leistungsbereichen sind selbst so überaus nah verwandte und durch direkte Kausalbeziehungen verknüpfte Merkmale wie Muskelmasse und Kraftleistung nicht mehr in sehr hohem Umfang linear miteinander verschränkt! Hier treten anderweitige Zusammenhänge in Erscheinung, die man in niedrigeren Leistungsebenen (noch) nicht vorfindet!

Gewichtheber-Legende Manfred Nerlinger
Man beachte den enormen "Bauchmuskel". Ein Bodybuilder müsste bei solchen Kraftleistungen passen
Extremer Bodybuilder
Kein Gewichtheber oder Kraftdreikämpfer hat eine derart massive, harte und fettfreie Muskulatur!

 

Kraftdreikämpfer (Viktor Naleikin) extremer Bodybiulder

 

Ein Schwergewichtsboxer ist in der höchsten Leistungsstufe der Generalisten anzusiedeln! Er benötigt Muskelmasse, Kraft, Ausdauer, Kraftausdauer, Koordination, Schnelligkeit und Beweglichkeit. Im Vergleich zum "Durchschnittsmenschen"  verfügt er über sämtliche Leistungsmerkmale in extrem gesteigertem Umfang! Im Vergleich zu den Spezialisten der höchsten Leistungsklasse (etwa Gewichtheber, Bodybuilder, Sprinter, Läufer, Kunstturner u.a.)  ist er hingegen "schwach", hat "wenig" Muskelmasse, "wenig" Ausdauer, "wenige" technische Fähigkeiten und eine "geringe" Koordination!

 

Schwergewichtsboxer Klitschko ehem. Schwergewichtsboxer Tyson

 Zur Verdeutlichung obiger Aussage noch ein eindrucksvoller Bild-Vergleich:

 

 

B) DIREKTER VERGLEICH

Beim direkten Vergleich werden zwei Personen direkt miteinander verglichen! Durch geringste Unterschiede im Leistungsbild kann man Klassifizierungen in "schnell-langsam", "stark-schwach", "koordiniert- unkoordiniert" usw. treffen, auch zwischen Leuten, die sich im Rahmen einer allgemeinen Kategorisierung in der gleichen "Eigenschafts- und Merkmals-Ecke" befinden würden!

 

C) TOTALER VERGLEICH MIT MAXIMALLEISTUNGEN

Die dritte Möglichkeit das Leistungsbild eines Menschen zu beurteilen besteht darin, dieses mit menschlichen Extremleistungen (Weltrekorden) zu vergleichen! Diese Extremleistungen muten aus der Sicht eines "Normalsterblichen" unvorstellbar an! Der Weltrekord im Bankdrücken lag vor über 10 Jahren bereits bei knapp mehr als 360 Kilogramm! Wenn ich in einem "normalen" Fitnesscenter (kein Szene-Treff für Hormonjunkies) "nur" 150 Kilo von der Bank stemme, sind mir die bewundernden Blicke ungläubig staunender Freizeit-Sportler mehr als sicher! Die wenigsten der durchschnittlich veranlagten und "cleanen" Freizeit-Bodybuilder drücken jemals in ihrem Leben 150 Kilo von der Bank!

Aber selbst in den absoluten Grenzbereichen menschlichen Leistungsvermögens begegnet uns die altbekannte Relativität! Wenn ich bspw. den "stärksten Mann der Welt" finden will, muss ich mich zwischen verschiedenen Varianten entscheiden! Es gibt einen stärksten Kraftdreikämpfer und Gewichtheber (das sind die "Generalisten" dieser engen Spezialbereiche) sowie den stärksten Bankdrücker, Kniebeuger, Kreuzheber, Reißer und Stoßer (das sind die Spezialisten im Kraftdreikampf und Gewichtheben)! Man kann den Personenkreis der stärksten Menschen freilich eng eingrenzen. Den stärksten Mann der Welt als solchen gibt es so gesehen aber nicht bzw. nur unter der Voraussetzung, das man sich vorher festlegt, welche Art von Kraftleistung man als die herausragenste bezeichnen will! Im Kraftdreikampf wird effektiv mehr Gewicht bewegt als beim Gewichtheben! Zum Einen hat man hier drei Disziplinen, zum Anderen sind die Bewegungsumfänge vergleichsweise begrenzt und betreffen "nur" einen Teil der gesamten Körpermuskulatur! Die erforderliche Koordinationsleistung ist zudem vergleichsweise geringer als im Gewichtheben, wo eine Hantel unter Einsatz der gesamten Körpermuskulatur tatsächlich vom Boden bis über Kopfhöhe gebracht werden muss!

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VERFÜGBARKEIT DER MOTORISCHEN FÄHIGKEITEN; NICHT- bzw. SUBLINEARE ZUSAMMENHÄNGE

Können die verschiedenen motorischen Fähigkeiten gemeinsam auftreten oder schließen sie sich mitunter sogar aus? Kann bspw. ein "starker" Mann auch "ausdauernd" oder ein "muskulöser" Mensch auch "schnell" und "koordiniert" sein?

Hierzu gibt es verschiedene Antworten die wir teilweise aus den bereits dargelegten Fakten ableiten können!

Punkt 1: Eine Frage der Definition

Wie wir gesehen haben gibt es verschiedene Leistungsebenen innerhalb derer sich "Generalisten" und "Spezialisten" befinden. Wenn ich die Spezialleistung einer hohen Leistungsebene als Definitionskriterium etwa für "ausdauernd" oder "stark" hernehme, werde ich niemanden finden, der gleichermaßen "stark" und ausdauernd" ist! Niemand kann im hohen Leistungsbereich zugleich überzeugend Gewichte stemmen, Sprinten, Langstrecken laufen, Boxen, etc.! Je verschiedenartigere Fähigkeiten ich miteinander vergleiche, um so schneller gelange ich  an den Punkt, wo es keinen überzeugenden Generalisten mehr gibt! Wenn ich natürlich X-beliebige Leute oder z.B. einen "Freizeit-Sportler" mit einem Schwergewichtsboxer (einem "Top-Generalisten") vergleiche, kann ich auch (innerhalb des konkreten Vergleichs) das Gegenteil behaupten!

 

Punkt 2: Eine Frage der Ähnlichkeit und Verschiedenheit der Fähigkeiten

Manche motorischen Fähigkeiten sind sich in Bezug auf die Funktionalität der ihnen zugrunde liegenden Organsysteme "ähnlicher"  oder "verschiedener". D.h. sie konkurrieren entweder um organische Leistungsressourcen oder sie verhalten sich zueinander synergetisch!  Schnelligkeit und Koordinationsvermögen treten oft gemeinsam im Leistungsbild einer Person in Erscheinung! Wir reden bei Schnelligkeit jetzt nicht von der Fortbewegungsgeschwindigkeit beim Laufen oder Sprinten, sondern von der Fähigkeit auf Reize zu reagieren und spezifische Bewegungsmuster auszuführen! Beide Fähigkeiten (Schnelligkeit und Koordination) haben primär mit dem Nervensystem zu tun! Eine hohe Muskelmasse oder ein prinzipiell erhöhtes Körpergewicht reduziert naturgemäß den Faktor Schnelligkeit! Eine höhere Masse lässt sich nicht in gleicher Präzision und "Direktheit" in Bewegung setzen bzw. spontan in einen andersartigen Bewegungsablauf umlenken!  Ausdauer und Kraft hingegen konkurrieren prinzipiell um die organischen Leistungsressourcen des Körpers!

Punkt 3: Eine Frage von prinzipiellen organischen Zusammenhängen

Kraft und Ausdauer bspw. sind entgegengesetzte Trainingsziele!
Kraft basiert auf der Größenordnung der Muskelmasse, deren Kraftleistungsfähigkeit vorrangig vom Muskelfaserquerschnitt abhängt. Ausdauer hingegen setzt voraus, dass pro Zeiteinheit bei einer körperlichen Leistung eine möglichst große Sauerstoffmenge an die arbeitende Muskelzelle herangebracht wird. Der Sauerstoffdruck nimmt aber im Gewebe mit dem Quadrat der Entfernung vom kleinsten Blutgefäß (Kapillare) bis zur Mitochondrie, dem einzigen Ort wo Sauerstoff in der Zelle verwendet wird, ab. Folglich ist es für die Ausdauerleistung besonders günstig, wenn eine große Kapillaroberfläche (u.a. Kapillarzahl) die Muskelfaser versorgt. Eine krafttrainierte Muskelzelle mit ihrem erhöhten Faserquerschnitt ist somit für die Sauerstoffversorgung ungünstiger gestellt als die ausdauertrainierte Zelle! Wenn ich also meine persönliche Maximalleistung im Bereich Ausdauer oder Kraft (bzw. insbesondere Muskelmasse) erreichen will, muss ich notwendiger Weise eine spezifische Priorität setzen, da sich beides nicht parallel zur vollen maximalen Reife (innerhalb des individuellen Leistungsbildes) antrainieren lässt! Schwergewichtsboxer stehen unter dem Zwang, über beide Fähigkeiten in erheblichem Umfang verfügen zu müssen! Allein schon deshalb wird es nie einen Boxer mit der Muskelmasse oder den Kraftleistungen eines Profi-Bodybuilders bzw. Gewichthebers/Kraftdreikämpfers geben!

 

Punkt 4: Eine Frage der individuellen körperlichen Konstellationen

Wir haben jetzt eine Reihe an Kausalbeziehungen kennen gelernt. Dazu gehören u.a. jene, dass sich hohe Körper/Muskelmasse und hohe Bewegungsgeschwindigkeit sowie hohe Kraft- und Ausdauerleistungen gegenseitig negativ beeinflussen bzw. in Bezug auf den maximal denkbaren Ausprägungsgrad im individuellen Leistungsbild einer Person ausschließen! Aber wie stark sich gewisse Faktoren gegenseitig positiv oder negativ beeinflussen hängt natürlich von den individuellen Begebenheiten im Profil einer Person ab! Niemand wird bspw. den prinzipiellen Zusammenhang leugnen wollen, dass ein Mensch umso besoffener wird, je mehr Alkohol er konsumiert!  Aber diesbezüglich wie besoffen verschiedene Leute nach einer, zwei oder drei Maß Bier konkret sind, besteht ein durchaus immenser Schwankungsbereich! Irgendwelche individuellen Besonderheiten im Bereich der inneren Organfunktionen können die Präsenz eines zweifellos existierenden Zusammenhanges bei einem zwischenmenschlichen Vergleich durchaus verschieden ausfallen lassen!

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FUNKTIONALE GRENZEN IN DER WIRKUNG VERSCHIEDENER FÄHIGKEITEN

Wenn sich verschiedene motorische Fähigkeiten in Bezug auf ihre reine Präsenz bzw. ihren Ausprägungsgrad gegenseitig verschiedenartig beeinflussen, tun sie es in Bezug auf ihre (kampfspezifische) Wirkung erst recht!

Verschiedene Fähigkeiten können sich prinzipiell wechselseitig ergänzen oder wechselseitig verringern!  Man könnte auch von "funktionalen Grenzen" reden, ab denen eine höhere Ausprägung einer bestimmten Fähigkeit keinen weiteren Nutzen bzw. sogar Nachteile mit sich bringt!  Das kommt natürlich darauf an, von welchen konkreten Leistungsmerkmalen die Rede ist und innerhalb welcher Bewegungsabläufe diese zusammenwirken sollen!

Ein Marathonläufer hätte nichts von einer erhöhten Reaktionsschnelligkeit, ein Sprinter nichts von einer  hohen (zusätzlichen) allgemeinen Ausdauerfähigkeit, ein Schwimmer oder Ruderer nichts vom Koordinationsvermögen eines Kunstturners!

Eine sehr große Muskelmasse kann bspw. tatsächlich erhebliche Nachteile in den Bereichen Schnelligkeit, Ausdauer und Beweglichkeit bedeuten! Die Sauerstoff- und Energieversorgung einer enormen Muskelmasse ist vom Körper schwieriger zu gewährleisten und erfordert mehr Organkapazitäten! Ferner produziert eine höhere Muskelmasse auch eine höhere Menge an belastenden Stoffwechselzwischen- und Endprodukten! Ich habe bereits den Boxsport angesprochen. Bis zu einem gewissen Bereich hat hier die reine Physis eine durchaus erhebliche Bedeutung! Deshalb gibt es auch verschiedene Gewichtsklassen! Im sog. "Schwergewichtsbereich" aber relativiert sich die Bedeutung der reinen Körperkraft zu Gunsten anderweitiger Faktoren! Deshalb gibt es keine extrem muskulösen Boxer (Bodybuilder-Dimension!) und auch keine sehr schweren und starken Boxer (verglichen mit Kraftsport-Athleten!) !

Abbildung unten:
Für die Wirkung eines  Faustschlages sind Beschleunigung und Wegstrecke der Faust relevanter als die Kontraktionsstärke der beteiligten Muskulatur!

Geringe Wegstrecke und Beschleunigung der Faust = geringer Aufpralldruck!
Bei geringer Entfernung zum Gegner würde ein Boxer einen "Schwinger" schlagen, also den Ellbogen nach außen nehmen und die Faust in einem seitlichen Bogen führen, wodurch die Wegstrecke künstlich verlängert wird.
Große Wegstrecke und  Beschleunigung der Faust = hoher Aufpralldruck!
Dank hoher Beschleunigung und  großer Wegstrecke ist hier "Dampf" dahniter!

Wer sich mit Boxen etwas auskennt erhebt an dieser Stelle vielleicht einen Einspruch?! Nikolai Valuev mit seinen ca. 150 Kilo Körpergewicht scheint obiger Aussage zu widersprechen! Aber nur scheinbar! Sein untypisches Boxer-Gewicht resultiert nicht aus einer enormen Muskelmasse, sondern aus seinen ebenso atypischen 213 Zentimetern Körpergröße! Hätte er Bodybuilder-Proportionen würde er wahrscheinlich 180 oder 190 Kilo wiegen!

Abb. unten: Nikolai Valuev ist für einen Boxer außergewöhnlich schwer!

 

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DIE KAMPFKRAFT - WORAUS RESULTIERT SIE?  

Wie "kampftauglich" oder "kampfstark" eine Person ist hängt von verschiedenen Faktoren ab, deren Bedeutungen sich wiederum innerhalb verschiedener Bezugsebenen ergeben!

Die meisten Sportarten haben aufgrund ihrer spezieller Bewegungsabläufe ein sehr konkretes Anforderungsprofil! Nachfolgende Bilder zeigen je eine Sportart. In den darunter stehenden Balkendiagrammen sind jene Fähigkeiten dargestellt, die in der betreffenden Sportart konkret gefordert werden! Je länger der Balken ist, umso höher liegt die Anforderung in Bezug auf die betreffende Fähigkeit! Der nach links verrückte schwarze Balken (T) steht für Technik! Beim Kunstturnen etwa gibt es ein enormes Maß an verschiedenartigen technischen Abläufen, beim Marathonlauf hingegen sehr wenig! Hier muß nur ein Fuß vor den anderen gesetzt und auf einen gewissen Rhytmus geachtet werden! Die nachfolgenden Balken stehen für Maximalkraft (MK), Schnellkraft (SK), Kraftausdauer (KA), Ausdauer (A), Schnelligkeit (S), Koordination (KO) und Beweglichkeit (B).

TURNSPORT

MARATHON

GEWICHTHEBEN (M.Nerlinger)

Ich denke die Bilder und die Balkendiagramme sind soweit selbsterklärend! Das beim Gewichtheben die reine Kraft, beim Marathonlauf die reine Ausdauer von herausragender Bedeutung sind, liegt auf der Hand. Ein Kunstturner braucht bspw. u.a. auch eine hohe Reaktionsschnelligkeit und muss über eine enorme Koordinationsleistung verfügen!

Auch beim Gewichtheben gilt es enorm schnell die maximale Kraftleistung zu entfalten und gewisse Bewegungsabläufe präzise, unmittelbar und vor allem zügig auszuführen!  Auch hier darf der Sportler die heiklen Augenblicke nicht verpassen, innerhalb derer es umzugreifen, Schwung zu holen oder sich unter die Hantel zu bringen gilt! Eine leicht unvorteilhafte Fußstellung, ein etwas zu wenig durchgestreckter Arm, ein etwas zu geringer Schwung und die Hantel muß fallen gelassen werden ohne das die Endposition der ausgeführten Disziplin erreicht wird! Daher ist auch hier der Balken der die Koordination repräsentiert ziemlich lang!

 

Wir haben nun das Anforderungsprofil einiger Sportarten mit Balkendiagrammen charakterisiert! Dasselbe kann man auch mit dem Leistungsbild einzelner Personen machen! In nachfolgenden Grafiken stellen die (mehr oder weniger) ovalen Grundflächen eine konkrete Beispielperson, die sich darauf befindlichen farbigen Stäbe die jeweiligen motorischen Fähigkeiten und deren Ausprägungsgrad dar! Der schwarze Stab in der Mitte steht für die technischen Fähigkeiten! Die farbigen Stäbe stehen für jeweils eine motorische Fähigkeit! Der Faktor Technik befindet sich in der Mitte weil die ganzen Fähigkeiten nur im Rahmen der ausführbaren Techniken zur Geltung gebracht werden können!

Dabei gibt es zwei Parameter! Erstens kann ich die Quantität der vorhandenen Fähigkeiten aufzeigen:  Je länger der Stab einer jeweiligen Farbe ist, umso höher ist das betreffende Leistungsmerkmal ausgeprägt!

Kurze Stäbe= gering ausgeprägte Fähigkeiten Lange Stäbe = stark ausgeprägte Fähigkeiten

 

 

Der zweite Parameter bei der Darstellung eines individuellen Leistungsbildes betrifft das Zusammenspiel (die Synergetik) der verschiedenen motorischen Fähigkeiten beim koordinierten Ausführen eines Bewegungsablaufes! Je näher die farbigen Stäbe zusammen stehen, umso besser wirken auch die verschiedenen Faktoren innerhalb gezielter Bewegungsabläufe zusammen! Insbesondere die relative Nähe zum schwarzen Stab in der Mitte (der für das Arsenal an technischen Fähigkeiten steht) ist hierbei von besonderer Relevanz!

weit entfernte Stäbe= Das Zusammenspiel der Fähigkeiten innerhalb eines koordinierten Bewegungsablaufes ist gering! dicht beisammen stehende Stäbe= Das Zusammenspiel der Fähigkeiten innerhalb eines koordinierten Bewegungsablaufes ist hoch!

 

Abbildung unten: Bei einem Boxer wirken die verschiedenen Fähigkeiten sehr gut zusammen! Deshalb sind die Stäbe dicht aneinanderstehend und insbesondere dicht ans Zentrum gezeichnet (der schwarze Stab in der Mitte steht für die technischen Fähigkeiten) . Beim Bildbeispiel des Bodybuilders ist sehr viel Kraft vorhanden (roter Stab), die Menge an technischen Fähigkeiten ist geringer (=kürzerer schwarzer Stab), die Ausdauer ist vergleichsweise gering (blaugrüner Stab) und könnte nur schwerlich in kampfspezifische Bewegungsabläufe einfließen (=relativ hohe räumliche Distanz des blaugrünen Stabes zum Zentrum).

 

Bei einer unspezifischen Kampfsituation sind die Anforderungen an die Beteiligten nicht so konkret wie in irgendeiner Sportart! Statt einer "einzigen richtigen Bewegungsausführung" kommen hier eine Reihe an denkbaren Aktionen in Frage und anstatt einem spezifischen Leistungsprofil sind eine Reihe an vorteilhaften und natürlich eine Unmenge an unvorteilhaften Konstellationen von bzw. zwischen motorischen  und technischen Fähigkeiten denkbar!

Die Bedeutung einzelner Fähigkeiten sowie das Gesamtmaß an Kampftauglichkeit einer Person ergibt sich innerhalb mehrerer Bedeutungsebenen!

 

 

EBENE I: FAKTOREN INNERHALB DES INDIVIDUELLES LEISTUNGSBILDES

Dies sind:

1: Die quantitative Verfügbarkeit der einzelnen motorischen Fähigkeiten:
Über wie viel Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Koordinationsvermögen und Beweglichkeit verfügt die Person?

2: Die quantitativen Relationen zwischen den verschiedenen motorischen Fähigkeiten:
Wie stark ist bspw. der Faktor Schnelligkeit in Relation zum Faktor Kraft ausgeprägt?

3: Das koordinierte Zusammenwirken (Synergie) der verschiedenen motorischen Fähigkeiten innerhalb konkreter technischer Bewegungsausführungen:
Können die verschiedenen Fähigkeiten zusammen in kampfspezifische Bewegungsabläufe einfließen?

4: Das Profil an technischen Fähigkeiten:
Über welche konkreten technischen Fähigkeiten (Griffe, Hebel, Schläge, Tritte, Ausweich-, Abwehr-, und Befreiungstechniken) verfügt die Person?

5: Wie gut sind die technischen Fähigkeiten auf das körperliche Leistungsprofil abgestimmt?
Wenn ich 120 Kilo wiege brauche ich bspw. keinen gesprungenen Fersendrehkick probieren und wenn ich nur 60 Kilo wiege werde ich kaum eine Chance haben, einen kräftigeren Gegner mit bloßen Händen zu erwürgen!

 

Wie wir sehen ist die Kampfkraft mitnichten nur an einzelne Faktoren und ebenso wenig ausschließlich an deren quantitatives Vorhandensein gekoppelt! Dennoch kann natürlich bei einer konkreten Konfrontation ein einzelner Faktor eine geradezu superlative Bedeutung erlangen! Schauen wir uns hierzu erst einmal die weiteren Bezugsebenen an, innerhalb derer sich die kampfspezifische Wirkung verschiedener Faktoren ergibt:

 

EBENE II: PRINZIPIELLE (PERSONENUNABHÄNGIGE) KAMPFSPEZIFISCHE BEDEUTUNG VERSCHIEDENER FÄHIGKEITEN:

Beginnen wir die Fragestellung einmal anders: Kann ich bestimmte motorische oder technische Fähigkeiten prinzipiell in Bezug auf ihre potentielle Bedeutung im Kontext mit Kampfhandlungen ausschließen?

Die Antwort lautet NEIN! Prinzipiell könnte jeder Art von motorischer und/oder technischer Fähigkeit eine wie auch immer geartete Bedeutung innerhalb einer Kampfhandlung zukommen:

Eine gewisse Muskelmasse  reduziert die Wirkung von Schlägen und Tritten auf die inneren Organe. Selbst Faustschläge ins Gesicht bzw. auf den Kopf wirken auf das Gehirn und die Halswirbelsäule nicht ganz so schädlich, weil die stützende Nackenmuskulatur für einen gewissen „Erschütterungsschutz“ sorgt.

Ein hohes Maximalkraftvermögen erlaubt wirkungsvolle Halte- und Würgegriffe und kann bei Bedarf die Distanz zum Gegner im Nahkampf durch abruptes Wegstoßen oder Heranziehen sehr schnell verändern.

Ein ausgeprägtes Schnellkraftvermögen ist bspw. für die Effizienz von Faustschlägen und Fußtritten noch weitaus relevanter als das reine Kontraktionsvermögen der beteiligten Muskulatur.  Bei allen Angriffs- oder Verteidigungsaktionen, bei denen ein gleichermaßen schneller (ruckartiger) und kraftvoller Bewegungsablauf eingesetzt werden soll, ist eine hohe Schnellkraftleistung gewinnbringend.

Eine hohe Kraftausdauer (also eine hohe Milchsäuretoleranz der Muskulatur) ist immer dann wichtig, wenn im Verlauf einer Kampfhandlung  erzwungener Weiße ein hoher Kontraktionsstatus der Muskulatur über einen längeren Zeitraum aufrecht erhalten werden muß.

Die reine Ausdauer ist (mal abgesehen vom Davonrennen) u.a. auch wichtig, wenn durch schnelle und azyklische Bewegungen bei eher geringerem Krafteinsatz versucht wird, den Gegner zu irritieren, auf Distanz  zu halten oder durch Faustschläge und Tritte zu bedrängen, deren einzelne Trefferwirkung für eine Kampfentscheidung zu gering wären und mit denen der Gegner praktisch "konditionell an die Wand gedrängt" werden soll.  

Eine große Beweglichkeit ist dem Gelingen verschiedener expliziter Techniken förderlich, verringert die Gefahr das  bspw. bei einem Sturz oder einem spontanen erhöhten Bewegungsausschlag in einem oder mehreren Gelenken Verletzungen (Muskelzerrung, Sehnenanriß etc) entstehen.

Ein hohes Maß an Schnelligkeit verleiht  einem guten Reaktions- und Koordinationsvermögen erst richtig Sinn. Durch eine schnelle Ausführung geeigneter Angriffs- und Abwehrbewegungen können gegnerische Aktionen "unterlaufen" werden . 


Ein hohes Reaktions- und Koordinationsvermögen wiederum erlaubt reflexive, spontane und  situationsgerechte Reaktionen auf bestimmte, sich während eines Zweikampfes ergebende Situationen ohne das zeitraubendes Nachdenken notwendig wäre.  Diese Komponenten sind für jeden unschätzbar wichtig, der über keine besonderen Kräfte verfügt und seine Haut durch Anwendung von spezifischen (Selbstverteidigungs) Techniken teuer verkaufen will.
 

Es gibt also ein erhebliches Spektrum an prinzipiell vorteilhaften Leistungsmerkmalen!

In nachfolgend dargestellten Würfel sind vier  Fähigkeiten als weitere kleine Würfel eingezeichnet! Der schwarze Würfel in der linken Ecke steht für die Gesamtheit an technischen Fähigkeiten. Es ist zugegeben etwas unrealistisch den Faktor Technik als vollständig von den motorischen Fähigkeiten isolierte Einheit darzustellen! Statt dessen wäre es zweckmäßiger zwischen eher "simplen" kraftbasierenden und eher "komplexen" schnelligkeits- und koordinationsbasierenden Techniken (neben anderen) zu differenzieren! Im entferntesten Sinn entspricht nämlich jede koordinierte Bewegungsausführung einer "Technik", so wie ich auch "Kraft" benötige um einen Bleistift heben zu können! Die drei farbigen Würfel repräsentieren drei (von mehreren) willkürlich gewählten motorischen Fähigkeiten (rot könnte für Kraft, blau für Schnelligkeit stehen). Die Größe der Würfel soll die kampfspezifische Wirkung der Fähigkeiten darstellen, die sie jeweils repräsentieren. Im unterem Beispiel sind die verschiedenen Faktoren ebenbürtig gewichtet. Das ist nicht wirklich realistisch! Es wäre unpassend irgendeine Fähigkeit gänzlich auszusparen da wir gerade festgestellt haben, das jeder Fähigkeit zumindest theoretisch eine Bedeutung zukommen kann! Ich könnte aber sicher bspw. den Faktor Kraft prinzipiell höher gewichten als jenen der Beweglichkeit! Ich darf aber nichts übergeneralisieren! Kraft ist prinzipiell relevanter als Beweglichkeit, aber um welchen Faktor sie relevanter ist, das kann von Situation zu Situation verschieden sein! Wenn etwa zwei körperlich und technisch weitgehend ebenbürtige Ringer sich gegenseitig am Boden klammern, kann ein leicht erhöhter Bewegungsausschlag bei irgendeinem (Befreiungs)griff durchaus sehr bedeutungsvoll sein! In manchen Konstellationen spielt die reine Beweglichkeit hingegen eher keine Rolle!

 

 

In diesem dreidimensionalen "Bezugsraum" sind mehrere theoretisch denkbare Faktoren als "gleichberechtigte" Größen eingezeichnet!

 

EBENE III: DAS INDIVIDUELLE LEISTUNGSPROFIL IM KONTEXT ZU DEN PRINZIPIELL BEDEUTUNGSVOLLEN FAKTOREN

 

In diesem Würfel befindet sich ein (Kampf)sportler (der ovale "Kreis") mit einem individuellen körperlichen und technischen Leistungsprofil! Die Länge der verschiedenen Stifte die sich auf dem Oval befinden repräsentiert auch hier wieder die quantitative Ausprägung der verschiedenen Fähigkeiten. Ihre räumliche Anordnung zueinander repräsentiert den Grad deren synergetischer Verfügbarkeit im Rahmen koordinierter, kampfspezifischer Bewegungsabläufe! Je näher Technik, Koordination, Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Beweglichkeit beieinander liegen, umso höher ist deren qualitative Verfügbarkeit! Aus dieser Konstellation an quantitativen und qualitativen Relationen ergibt sich wiederum ein verändertes Bild in Bezug auf die prinzipielle Bedeutung der jeweiligen Faktoren! In obigem Beispiel sinkt die prinzipielle Bedeutung der Technik bei gleichzeitiger Bedeutungszunahme der reinen Kraft (roter Würfel)! Dies könnte im konkreten Fall dadurch bedingt sein, dass die dargestellte Person über viel Körperkraft verfügt und maßgeschneiderte (kraftbasierende) Bewegungsabläufe einigermaßen koordiniert ausführen kann! 

 

EBENE IV: DAS SPANNUNGSFELD GEGNERISCHER LEISTUNGSPROFILE IM KONTEXT ZUEINANDER UND ZU DEN PRINZIPIELLEN BEDEUTUNGEN DER EINZELNEN FAKTOREN 

 

Bei einer Kampfhandlung ist immer mindestens ein Gegner im Spiel! Die gegnerischen Profile beeinflussen sich gegenseitig in Form eines "Spannungsfeldes"! Die konkreten Stärken und Schwächen des Gegners definieren die Anforderungen an mein eigenes Profil, wenn ich gegen diesen im Rahmen einer körperlichen Auseinandersetzung bestehen will! Sie bestimmen welche Fähigkeiten in welchem Umfang und welcher Qualität erforderlich sind, um ein eigenes Defizit zu kompensieren oder ein (einzelnes) überlegenes Leistungsmerkmal auch gewinnbringend einzusetzen! Ich muss also entweder gleichartige Fähigkeiten in höherem Maße aufbieten oder andersartige Fähigkeiten effektiver einsetzen! Die Leistungsprofile der beteiligten Gegner "verzerren" den Bezugsraum, der für die "prinzipiellen Bedeutungen" der verschiedenen (denkbaren) Fähigkeiten steht!  Je nachdem welche konkreten Gegner aufeinander treffen, werden die einzelnen Bedeutungsfaktoren (zumeist in relativer Hinsicht) aus dem Raum  hinausgedrängt oder weiter herein gezogen!

In obiger Abbildung werden also 4 Achsen oder "Spannungsebenen" grafisch dargestellt: Die erste betrifft das  Leistungsprofil der einzelnen Gegner jeweils für sich betrachtet: Ausprägungsgrad und koordiniertes Zusammenspiel einzelner Fähigkeiten sind durch Länge und relative räumliche Nähe der farbigen Stifte auf den ovalen Grundflächen repräsentiert. Die zweite Bezugs- oder Spannungsebene betrifft die (Nicht)übereinstimmung der jeweiligen Leistungsprofile mit den "prinzipiellen" kampfspezifischen Bedeutungsfaktoren: Manch ein Faktor (kleiner Würfel) innerhalb des "prinzipiellen Bezugsraumes" (großer Würfel) "wächst" oder "schrumpft" wechselwirkender Weise zum Leistungsprofil einer konkreten Person. Die dritte Bezugs- oder Spannungsebene stellt die Veränderungen in der Relevanz der "prinzipiellen Bedeutungsfaktoren" im wechselwirkenden Kontext zum Leistungsprofil beider Kontrahenten dar! Je nachdem ob etwa zwei Boxer, zwei Ringer, zwei Kung-Fu-Kämpfer oder bspw. jeweils ein Boxer und ein Ringer gegeneinander antreten, wird die Auseinandersetzung eine bestimmte "Natur", ein bestimmtes "Potential an Ereignissen" aufweisen. Die vierte Bezugs- oder Spannungsebene betrifft die gegnerischen Leistungsprofile im direkten Vergleich zueinander! Je nachdem in welchen konkreten Punkten jeweils eine Über- oder Unterlegenheit vorhanden ist, werden manche "prinzipiellen" Bedeutungsfaktoren nicht nur in ihrer Größe (Relevanz) verändert, sondern sogar aus dem Bedeutungsgefüge dieser speziellen Konfrontation hinausgedrängt oder unverhältnismäßig weit hereingezerrt!

Darüber hinaus existiert noch eine fünfte Ebene, innerhalb derer sich die (kampfspezifische) Bedeutung einzelner Fähigkeiten oder gesamter menschlicher Leistungsprofile ergibt:

EBENE V: DIE ÄUSSEREN BEDINGUNGEN EINER KAMPFSITUATION

Diese Ebene bezeichnet jene Faktoren, die außerhalb der beteiligten Personen liegen! Dazu gehören bspw. die räumliche Bedingungen der Konfrontation (ereignet sich eine Schlägerei in einer stark möblierten Kneipe, in einem Zimmer oder auf einem Fußballfeld ) und die Kleidung die man gerade "zufällig" anhat! In engen Jeans und einer dicken Jacke wird ein Taek-Won-Do- Kämpfer  weniger überzeugende Tritte ausführen können als in seiner regulären Wettkampf-bzw. Trainings-Kleidung!

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ZUSAMMENFASSUNG

Die kampfspezifische Bedeutung sowohl technischer als auch motorischer Fähigkeiten ergibt sich innerhalb mehrerer Bezugsebenen, innerhalb und zwischen denen wechselwirkende Kausalbeziehungen bestehen!

Bezüglich dieser Wechselwirkungen und Kausalbeziehungen bietet sich eine Differenzierung in drei Kategorien an:

I: Lineare Zusammenhänge

Beispiele:
- Aus der höheren Ausprägung einer bestimmten Fähigkeit (etwa Kraft) resultiert eine höhere spezifische Wirkung (durch Anwendung kraftbasierender Techniken).

-Aus einem besseren koordinierten Zusammenspiel mehrerer Fähigkeiten (etwa Schnellkraft, Ausdauer und Koordination) resultiert eine höhere allgemeine Wirkung (durch synergetische Effekte).

II Sub- und nichtlineare Zusammenhänge

Solche Zusammenhänge finden wir u.a. vor wenn es bspw. darum geht, inwiefern verschiedene Fähigkeiten kollektiv in hohem Maße vorhanden sein können bzw. in welchem Maße sie sich in ihrer Wirkung ergänzen oder funktionell einschränken. Die Menge an bestehenden Kausalbeziehungen nimmt hier zu, der Grad deren Selbstbezüglichkeit und Proportionalität im Ursache-Wirkungsverhältnis reduziert sich aber!

Wir haben bspw. festgestellt, das Koordination und Schnelligkeit prinzipiell gleichartigere (weil jeweils eng mit dem Nervensystem zusammenhängende), Ausdauer und Kraft hingegen verschiedenartigere Leistungsmerkmale sind! In zweitem Falle sind verschiedene Organsysteme (Muskulatur und Herz-Kreislauf-System) für die Bereitstellung der jeweiligen Fähigkeit verantwortlich, die wiederum um gesamtkörperliche Leistungsressourcen buhlen! Dennoch ist es kein Problem beim Vergleich zwischen morphologisch variierenden Individuen ganzheitliche Über-oder Unterlegenheit festzustellen! Ferner hängt die konkrete Auswirkung (das Ausmaß) eines prinzipiellen Zusammenhanges (etwa die negative Wechselwirkung zwischen Kraft- und Ausdauerkapazität betreffend) von den individuellen (sekundären) organischen Faktoren der konkreten Person ab!

 

III Bedingte Effekte

Hierunter ordne ich all jene durchaus denkbaren Ereignisse ein, die von manchen (häufig aufgrund von Einzelfallbewertungen) in den Rang kausaler Gesetzmäßigkeiten gehoben werden:

"Kraft überwindet Technik", "Koordination ist relevanter als Schlagkraft", "Schnelligkeit ist wichtiger als Ausdauer", "Nur alle Fähigkeiten zusammen können etwas bewirken", "Körperliche Überlegenheit entbehrt alle anderweitigen Fähigkeiten", etc, etc..

Solche Aussagen sind von Natur aus weder richtig noch falsch, sie beschreiben vielmehr "EFFEKTE", die innerhalb jeweiliger Konstellationen eintreten oder auch ganz und gar nicht eintreten!

Ein Effekt ist kein Zufallsereignis, sondern ein gesetzmäßiges Ereignis das in Abhängigkeit zu konkreten Bedingungen oder Voraussetzungen eine jeweils schwächere oder stärkere Verwirklichungstendenz aufweist oder - bei einer sehr deutlichen Konstellation - auch zwangsläufig eintritt!

Es sind schon Schwarzgurt-Kampfsportler über drei parkende Autos hinweg aus der Disko geflogen weil sie einen zweieinhalb Zentner schweren Türsteher beleidigt haben und es haben sich schon einzelne normal gebaute Personen gegen eine ganze Gruppe von Kneipenschlägern durchgesetzt!

Ich kann diese jeweiligen Konstellationen unter denen der Eine oder Andere Effekt eintritt nicht hochspezifisch und generalisierend definieren indem ich bspw. generalisierend behaupte, man kann eine um bis zu 25 prozentige Unterlegenheit an reiner Körperkraft durch Techniken überwinden! Das kommt darauf an welche "körperlich Überlegene" Person an welchen "technisch versierten" Gegner gerät! Menschliche Leistungsprofile können unbeschreiblich viele Konstellationen beinhalten! 

Die Kampftauglichkeit eines Individuums addiert sich nicht aus verschiedenen Faktoren zu einer konkret benennbaren Größe, wie sich etwa Scheine und Münzen im Geldbeutel zu einem konkreten Betrag aufaddieren!

Quantitative Verfügbarkeit einzelner motorischer Fähigkeiten, quantitative Relationen im Ausprägungsgrad zwischen den gesamten Fähigkeiten, das koordinierte Zusammenspiel derselben, das verfügbare Arsenal an Techniken, die Abgestimmtheit der angewandten Techniken auf die individuellen körperlichen Fähigkeiten, das Spannungsverhältnis zwischen den gegnerischen Profilen (Differenzen, punktuelle Über/Unterlegenheit), die Relevanz des individuellen Leistungsbildes in Bezug zum Spektrum an prinzipiellen kampfrelevanten Fähigkeiten und die äußeren Bedingungen der Konfrontation definieren die (situationsbezogene) konkrete Wirkung der vorhandenen Mittel!

Es gibt keine Grundlage für  Absolutheitsansprüche - weder für eine bestimmte Kampfsportart noch für bestimmte körperliche Leistungsmerkmale!

 

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