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Kampfsport - im Fachjargon Budo - ist ein Sammelbegriff für eine größere Anzahl unterschiedlicher Sportarten, bei denen es jeweils um die kämpferische Auseinandersetzung mit Wettkampf-Gegnern oder um die präventive Vorbereitung auf etwaige Übergriffe in Alltags-Situationen geht. Die einzelnen Sportarten unterscheiden sich z.T. stark, etwa was die primär eingesetzten Techniken und die zu beachtenden Regeln angeht. Es gibt auch Kampfsysteme bei denen der bewaffnete Kampf, z.B. mit Messern oder Stöcken, im Vordergrund steht.
Das sind die meisten Turniersportarten wie bspw. Boxen, Kickboxen, Thai-Boxen,
Ringen etc. Hier müsste ich als Wettkampfteilnehmer zumindest annäherungsweise
mit der körperlichen Konstitution des Gegners mithalten können. Sicher lässt
sich auch hier ein Defizit an Kraft Randbemerkung: Die kampfspezifischen Bedeutungen verschiedener physischer Leistungsmerkmale werden auf einem eigenen Unterkapitel (über die Index-Seite anzusteuern) behandelt!
Die Philosophie dieser „Kampfkünste“ besagt das es möglich sein müsse, ein gegenüber dem Angreifer ungünstiges Kräfteverhältnis unter Ausnutzung verschiedener Effekte (Hebelwirkung, Reaktionsvermögen, Geschwindigkeit, Täuschung und Überraschung, etc.) zu kompensieren. Besonders typische SV- Kampfsportarten sind
u.a. Ju-Jitsu, Aikido,
Wing-Tsun und Judo. Grundtechniken hieraus finden sich in fast jedem SV - Trainingssystem wieder. Wie gesagt, in diesen
Sportarten hat die Physis (=Kraft, Konstitution) eben keine fundamentale
Bedeutung. Die aggressive Kraft des Angriffs wird geführt, umgelenkt und durch
eigene Energie verstärkt auf den Angreifer zurückgeführt. Kraft ist hier ein "Luxusfaktor" der
im Falle seines Vorhandenseins durchaus positiv ins
Gewicht fällt- insbesondere wenn eine typische SV-Situation nicht in
vorgesehener Weise bewältigt wird und ein "offener Kampf" entsteht (Erklärung
folgt). Aber Kraft ist keine zwingende Grundbedingung dafür, dass überhaupt ein (Verteidigungs)erfolg realisiert werden kann! Über deren Wirksamkeit oder Nutzen wird mitunter kritisch diskutiert. Ist es realistisch, sich ohne besonderer körperlicher Ambitionen seiner Haut zu erwehren? Es ist prinzipiell möglich! Während aber ein Pistolenschuß seine Wirkung unabhängig von der Person des Schützen entfaltet, hängt der Erfolg von SV-Techniken natürlich von demjenigen ab, der sie anwendet! So wie es schlechte, gute und geniale Tennis-Spieler gibt, gibt es auch schlechte, gute und geniale Anwender spezieller motorischer (SV-spezifischer) Techniken und Bewegungsmuster! Ich spreche hier bewusst nicht von Faktoren der physischen Leistungsfähigkeit (Kraft und Ausdauer), sondern vom spontanen (reflexiven) Reaktions- sowie vom Koordinations-, Kombinations-, und Steuerungsvermögen! Es gibt prinzipiell für jede Art von Angriff eine „passende Antwort“. Grundsätzlich kann auch jeder "gewöhnliche" Mensch die entsprechenden Techniken durch längerfristige Trainingsbemühungen in einem relevanten Mindestmaß erlernen. Der Idealverlauf einer SV-Situation führt zur Überwältigung und Fixierung des Angreifers. Im Minimalfall besteht der Erfolg zumindest im Erhalt des eigenen Lebens und der Wahrung einer weitgehenden körperlichen Unversehrtheit! Dies ist etwa der Fall, wenn sich eine Frau aus dem Würge- oder Haltegriff eines Triebtäters befreien und fliehen kann!
Dringlichste Voraussetzung für erfolgreiches Gelingen ist eine „blinde Beherrschung“ der geeigneten Techniken. Die Zeit die ich benötigen würde, um über deren Ausführung „nachzudenken“, habe ich im Ernstfall nicht! Vielmehr sollten die Techniken reflexartig aus der Trickkiste gezaubert werden können. Ebenso muss ein Verteidigungskonzept im Bedarfsfall blitzartig umgestaltet und fließend auf andere Bewegungen/Techniken ausgewichen werden können. Nachfolgende Bildserie stellt einen gescheiterten Verteidigungsversuch dar, der aber durch einen abrupten Strategiewechsel dennoch gelingt!
Wenn man darüber debattiert welche körperlichen
Leistungsmerkmale oder welche Kampftechniken „die Besten“ sind sollte man
unbedingt ein rigoroses Entweder-Oder -Denken vermeiden! Was die Bedeutung der einzelnen physischen
Faktoren (Kraft, Ausdauer, etc.) betrifft sei nochmals auf das zweite Hauptkapitel
meiner Homepage verwiesen. Der UNTERSCHIED zwischen KAMPF und SELBSTVERTEIDIGUNG. Kampf und Selbstverteidigung können natürlich nicht rigoros und statisch voneinander differenziert werden. Ferner besteht eine fließende Grenze zwischen den Begriffen.
In der Theorie wird prinzipiell ein Angriff durch eine körperlich überlegene
Person unterstellt.
Deshalb gilt es eine
Kampfhandlung im engeren Sinne zu vermeiden, ja vielmehr könnte oder würde eine solche dem
Verteidiger zum Verhängnis werden.
GRUNDPRINZIPIEN DER SELBSTVERTEIDIGUNGSSYSTEME -Als Verteidiger greife ich im
Normalfall niemals an! Ich überlasse dem Aggressor die Aktion und
beschränke mich primär auf die Reaktion! Ein gut trainierter SV- Kampfsportler
erkennt einen gegnerischen Fauststoß nicht erst nachdem er ihn erhalten hat. Für ihn besteht auch keine Erfordernis, sich auf Hände
und Beine des Angreifers zu konzentrieren. Vielmehr ist er in der Lage,
verschiedene Anzeichen einer konkreten Angriffs-Aktion aus den Augenwinkeln heraus
zu erkennen.
Einen äußerst wichtigen Stellenwert nehmen bei vielen SV- Techniken die sog. „Hebeltechniken“ ein. Den Begriff des Hebels findet man u.a. in der Mathematik, der Physik und in der Technik (Mechanik). Eine Hebelwirkung bedeutet die Verstärkung einer eingesetzten Kraft. Auch bei der Selbstverteidigung spielen Hebeleffekte eine zentrale Rolle. Hier versteht man darunter die schmerzhafte Fixierung eines oder mehrerer Gelenke (etwa Finger-, Hand-, Ellbogengelenk, etc.) in einer unnatürlichen Stellung, die den Angreifer zur Aufgage zwingen oder ihn dazu nötigen soll, eine bestimmte Körperhaltung einzunehmen. Diese erzwungene Körperhaltung wiederum gestattet dem Verteidiger Folgeaktionen, z.B. das Abführen des Aggressors. Beispiel für die Anwendung eines Handgelenkhebels
In manchen Budo-Sportarten wird auch vordergründig der Kampf mit Waffen trainiert (außer natürlich Distanz- bzw. Schusswaffen).
Die Voraussetzung einer realen Bedrohung sollte gegeben sein, ehe man sich dazu entschließt, irgendwelche SV-Techniken einzusetzen, die im Falle eines Scheiterns die Aggression und Gewaltbereitschaft des Konfliktgegners anfachen können. Damit möchte ich nicht andeuten das der Nutzen der Techniken nicht gewährleistet wäre, sondern das es eben nicht gänzlich einfach ist, sie präzise so auszuwählen und auszuführen, wie es den Erfordernissen einer gefährlichen Situation entspricht! Es kommt auf eine Reihe spezifischer Details an! Wer leichtfertig oder gar mutwillig eine tätliche Konfrontation riskiert oder gar provoziert, hat die Philosophie des Selbstverteidigungs-Trainings sicher nicht kapiert! Für jemand der auf SV und die Erhaltung seiner eigenen körperlichen Unversehrtheit bedacht ist, lautet das oberste Gebot, Risiken zu vermeiden, wenn sie sich vermeiden lassen!
Kampfsport- und
Selbstverteidigungstraining für Kinder und Jugendliche Hierzu gibt es denkbar unterschiedliche
Meinungen. Beginnen wir vielleicht mit den Argumenten der Skeptiker: Zum Einen
geht es um die denkbare Möglichkeit, Kinder und Jugendliche könnten im
Zusammenhang mit Kampfsporttraining ein erhöhtes Aggressionsverhalten
entwickeln. Sicherlich wäre es höchst illusorisch davon auszugehen, das z.B. ein 8- oder 10 jähriges Mädchen mit fundierten SV-Kenntnissen einen 90 Kilo schweren Vergewaltiger krankenhausreif schlagen und an den Haaren zur Polizeistation schleppen würde. Mit Sicherheit aber hätte es weitaus höhere Chancen dem Drama zu entrinnen indem es Möglichkeiten zu Gegenwehr und Flucht eher erkennen und nutzen könnte. Wenn sie es auch nur schafft sich aus einem Halte- oder Würgegriff herauszuwinden, oder verhindern kann in ein Auto gezerrt zu werden, wäre dieses Ergebnis in Verbindung mit einer erfolgreichen Flucht schon um viele hundert Prozent besser als vergewaltigt und aufgeschlitzt zu werden! Es ist bereits schon als Vorteil zu betrachten wenn ein Kind zumindest psychologisch mit der Möglichkeit solcher Situationen vertraut ist und im Ernstfall nicht vor Angst in Bewegungsunfähigkeit erstarrt, sondern wenigstens laut schreit um ggf. die Aufmerksamkeit anderer Personen auf sich und den Angreifer zu ziehen. "Aber wird ein Täter nicht noch brutaler, wenn das Opfer versucht sich zu wehren?" - Dieses Argument kann im Falle eines gescheiterten Verteidigungsversuches zutreffen - je nach Täter-Typ. Pauschalisiert werden kann diese Aussage aber mit Sicherheit nicht- auch das Gegenteil ist möglich! Gerade sexuell motivierte Gewaltverbrecher mit besonderem Augenmerk für Kinder suchen sehr häufig bewusst nach verängstigten, sensiblen, schwachen Opfern, damit sie ihre Überlegenheit uneingeschränkt ausspielen können. Für nicht wenige Subjekte aus dieser Tätergruppe wäre ein selbstsicher und wenig furchtsam erscheinendes Opfer sogar irritierend und tendenziell von geringem Interesse! Es sind zahlreiche Fälle von Tätern dokumentiert, die durch heftige Gegenwehr von ihrem ursprünglichen Vorhaben abgehalten wurden, obwohl sie das Opfer prinzipiell überwältigen hätten können! Ihr perverser Plan verlief nicht im Sinne ihrer Vorstellung, das vermeintliche Opfer passte durch sein Verhalten nicht gut genug in das mentale "Opfer-Schema" oder die "Opfer-Vorstellung" des Täters. Jeder Mensch (ob "normal" oder "gestört") hat ständig so etwas wie ein "inneres Drehbuch" im Kopf. Damit ist hier weniger ein komplexes, kognitives Verhaltenskonzept oder ein ausgefeilter Plan gemeint, sondern eine im Allgemeinen inhaltlich sehr vage, nonverbale und "atmosphärische" Vorstellung oder Empfindung dessen bzw. darüber, was man als nächstes zu tun gedenkt, welche Ereignisse ungefähr eintreten könnten bzw. wie die unmittelbar folgende Zukunft (die nächsten Augenblicke) in etwa verlaufen könnte. Diese Vorstellung enstpricht also einer Art "inneren Wahrscheinlichkeitsberechnung" die vom Unterbewusstsein generiert wird. Wenn nun dieses "innere Drehbuch" durch unerwartete äußere Ereignisse ins Stocken gerät, ändern sich zumeist auch die aktuellen Handlungsabsichten eines Menschen. Zumindest durchlebt die betreffende Person eine mehr oder weniger ausgeprägte "Irritationsphase", die das vordergründige Verhaltensschema vorerst unterbricht und einige Augenblicke der inneren Bewertung und Neuausrichtung induziert. Einige Sekunden der Irritation (des Täters) können für ein Opfer sehr gewinnbringend sein!
Gerade was die Befreiung aus Würge- und Festhaltegriffen betrifft stehen eine
Reihe sehr effektiver Methoden zur Verfügung, die auch bei einem wirklich enorm
ungünstigem Kräfteverhältnis ihre Wirkung entfalten! Sie stellen bei korrekter Ausführung
selbst für ein Kind bei einer
Konfrontation mit einem Erwachsenen eine durchaus konkrete Chance dar!
Nachfolgend ein paar sehr einfache Beispiele:
Einer eindeutiger Vorteil frühzeitiger Trainingsbemühungen besteht darin, das die Leistungsfähigkeit des Trainierenden als Erwachsener einmal umso höher sein könnte, je früher er als Kind damit begonnen hat. Dieser Umstand trifft prinzipiell auf die meisten Sportarten zu, er stellt aber den Sinn eines späten Erlernens von Kampf - oder SV- Techniken nicht in Abrede!
Darüber hinaus sollte man bei der Beurteilung der Bedeutung eines (SV) -Kampfsporttrainings nicht nur die sportartspezifischen Leistungsverbesserungen bedenken. Ein gesteigertes Reaktions- und Koordinationsvermögen, eine Verbesserung der Beweglichkeit und der allgemeinen motorischen Fähigkeiten sind auch im Alltagsleben vorteilhaft, indem sie Gesundheit und Wohlbefinden wahren bzw. steigern. Abschließend noch eine SV- Bildserie über die Befreiung aus einem Würgegriff:
Bei den hier gezeigten Beispiele handelt es sich nur um einen sehr kleinen Bruchteil aus einer hohen Anzahl von denkbaren Verteidigungs-Techniken. Wer sich selber einen Überblick über die Vielseitigkeit und die praktische Anwendbarkeit von SV-Techniken machen will kommt nicht umhin, sich diese in der Praxis von einem kompetenten Trainer zeigen zu lassen. Die besten Trainer sind meiner Meinung nach diejenigen, die nicht stur an einem System festhalten sondern "branchenübergreifende" Erfahrungen vorweisen können! Das Erlernen solcher und anderer Techniken funktioniert nur durch praktisches Training! Theoretische Anleitungen können kein Gefühl für die entsprechenden Abläufe und auch keine Bewegungserfahrung vermitteln!
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