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Kampfsport und Selbstverteidigung
Schwerpunkt: Waffenlose Selbstverteidigung gegen körperlich überlegene Angreifer
- Kurze Erläuterungen und Beispiele aus der Praxis
HINWEISE:
-Die Abkürzung SV steht für Selbstverteidigung
- In
einigen Fällen sind die
Bild-Beispiele etwas umfangreicher erläutert. Hier erbietet es
sich ggf. erst die Seite durchzulesen und sich anschließend die
Bildserien-Beschreibung
genauer anzusehen.
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EFFEKTIVE GEGENWEHR trotz deutlicher
körperlicher Unterlegenheit
- ein realistisches Ansinnen?
SV-Sportarten erheben den Anspruch auf Wirksamkeit- auch bei
ungünstigem Kräfteverhältnis! |
Kampfsport - im Fachjargon Budo-Sport - ist ein Sammelbegriff für eine größere Anzahl unterschiedlicher Sportarten, bei denen es jeweils um die kämpferische
Auseinandersetzung mit Wettkampf-Gegnern oder um die präventive Vorbereitung
auf etwaige Übergriffe in Alltags-Situationen geht.
Es gibt bei der Betrachtung der Kampfsportarten eine ganze
Reihe von denkbaren Unterscheidungsmerkmalen, etwa was die
primär eingesetzten Techniken und die zu beachtenden Regeln betrifft. Es gibt
auch Kampfsysteme bei denen der bewaffnete Kampf, z.B. mit Messern oder Stöcken,
im Vordergrund steht.
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Bild links: AIKUCHIDO ist ein Beispiel für eine der exotischeren
Kampfsportarten. Hier geht es primär um Messerkampf |
Im Sinne dessen was ich in meiner Homepage publizieren möchte, treffe ich jetzt
aber eine ganz elementare Primär-Unterscheidung der Kampfsportarten in folgende 2 Hauptgruppen:
1.Diejenigen
deren erfolgreiche Ausübung eine besondere körperliche
Konstitution erfordern
Das sind die meisten Turniersportarten wie bspw.
Boxen, Kickboxen, Thai-Boxen, Ringen etc. Hier müsste ich als Wettkampfteilnehmer
zumindest annäherungsweise mit der körperlichen Konstitution des Gegners
mithalten können. Sicherlich lassen sich auch hier bestimmte Schwachpunkte
(bspw. an Kraft) durch anderweitige Stärken (z.B. an Ausdauer, Reaktionsvermögen,
Schnelligkeit) bis zu einem gewissen Grad kompensieren. Dennoch
müsste ich mich um eine realistische Chance zu haben zumindest in der
Gewichtsklasse des Gegners befinden und über ähnliche körperliche
Leistungsparameter verfügen. Ich beziehe mich mit dieser Aussage bewusst auf Wettkämpfe. Ein gut
trainierter 65 Kilo-Kickboxer
oder ein anderer austrainierter Kampfsportler würde mit Sicherheit gegen einen
„Durchschnitts-Straßenschläger“ mit deutlich höherem Körpergewicht locker
ankommen. Im Wettkampf aber trifft man auf Gegner die
ebenfalls nach bester Möglichkeit vorbereitet und trainiert sind und die
gleichartige Techniken anwenden können.
Randbemerkung: Die kampfspezifischen Bedeutungen verschiedener physischer
Leistungsmerkmale werden auf einer eigenen Unterseite behandelt!
2. Die speziellen Selbstverteidigungs - Kampfsportarten welche den Anspruch
erheben, auch gegen körperlich (weit) überlegene Angreifer wirkungsvoll
eingesetzt werden zu können.
Die Philosophie dieser „Kampfkünste“ besagt das es möglich sein müsse, ein
gegenüber dem Angreifer ungünstiges Kräfteverhältnis unter Ausnutzung
verschiedener Effekte (Hebelwirkung, Reaktionsvermögen, Geschwindigkeit, Täuschung und Überraschung, etc.)
zu kompensieren.
Besonders typische SV- Kampfsportarten sind
bspw. Ju-Jitsu, Aikido,
Wing-Tsun und Judo. Grundtechniken hieraus finden sich in fast jedem SV - Trainingssystem wieder. Wie gesagt, in diesen
Sportarten hat die Physis (=Kraft, Konstitution) eben keine fundamentale
Bedeutung. Die aggressive Kraft des Angriffs wird geführt, umgelenkt und durch
eigene Energie verstärkt auf den Angreifer zurückgeführt. Kraft ist hier ein "Luxusfaktor" der
im Falle seines Vorhandenseins durchaus positiv ins
Gewicht fällt- insbesondere wenn eine typische SV-Situation nicht in
vorgesehener Weise bewältigt wird und ein "offener Kampf" entsteht (Erklärung
folgt). Aber Kraft ist keine zwingende Grundbedingung dafür, das überhaupt erst
ein (Verteidigungs)erfolg realisiert werden kann!
In diesem Kapitel meiner Homepage möchte ich mich zunächst primär den reinen
SV-Techniken bzw. SV-Kampfsportarten zuwenden.
Diese werden teils sehr unterschiedlich bewertet was Wirksamkeit und Nutzen betrifft. Ist es nun realistisch sich ohne besonderen
körperlichen Ambitionen seiner Haut zu erwehren oder nicht? Es ist prinzipiell möglich!
Während aber ein Pistolenschuß unabhängig von der Person des Schützen seine
Wirkung entfaltet, hängt der Erfolg von SV-Techniken natürlich
von demjenigen ab, der sie anwendet! So wie es schlechte, gute und
geniale Tennis-Spieler gibt, gibt es auch schlechte, gute und geniale Anwender
von speziellen Techniken! Ich rede jetzt aber nicht von unterschiedlichen
körperlichen Konstitutionen, sondern von Unterschieden im koordinativen,
reflexbasierenden Reaktionsvermögen! Es gibt prinzipiell für jede Art von
Angriff die „richtige Antwort“. Die erfolgreiche Umsetzung ist allerdings von
gewissen Bedingungen abhängig, die man wiederum unter der Voraussetzung
längerfristiger und nachhaltiger Trainingsbemühungen grundsätzlich
erfüllen kann. Der Idealverlauf einer SV-Situation führt zur Überwältigung und
Fixierung des Angreifers. Im Minimalfall wird zumindest das eigene Leben
gerettet und eine weitgehende körperliche Unversehrtheit erreicht! Dieser
Minimalerfolg wäre
etwa realisiert, wenn sich eine Frau aus dem Würge- oder Haltegriff eines
Triebtäters befreien und flüchten kann!
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Im
Ernstfall müssen die Techniken "blind" beherrscht werden um Nutzen zu
bringen! |
Je überlegener der Angreifer ist um so weniger
Fehlversuche darf man sich im Zuge seiner Verteidigung erlauben oder anders
formuliert: Die Zeit arbeitet eindeutig gegen den körperlich Unterlegenen.
Dringlichste Voraussetzung für erfolgreiches Gelingen ist eine „blinde
Beherrschung“ der geeigneten Techniken. Die Zeit die ich benötigen würde um
über deren Ausführung „nachzudenken“ habe ich im Ernstfall als körperlich unterlegene Person nicht!
Vielmehr sollten die Techniken reflexartig aus der Trickkiste gezaubert werden
können. Ebenso muss ein Verteidigungskonzept im Bedarfsfall blitzartig umgestaltet und
fließend auf andere Bewegungen/Techniken ausgewichen werden können.
Nachfolgende Bildserie stellt einen gescheiterten
Verteidigungsversuch dar, der aber durch einen abrupten Strategiewechsel dennoch
gelingt!
Angriffssituation: Angreifer (A) will Verteidiger (V)
etwa auf Bauchhöhe an der Kleidung fassen.
V tritt mit dem linken Bein zurück, beugt den Oberkörper leicht nach
vorne und blockt beidhändig den Unterarm des A ab. Dabei spreizt er
die Daumen beider Hände ab, lässt die Finger jeweils zusammen und legt
die Hände so übereinander das ein "V" entsteht in welches das
Handgelenk des Gegners schwungvoll reinknallen kann, ohne das eine
Überdehnung oder ein Bruch eines eigenen Daumens befürchtet werden muß.
Nun folgt ein Schritt mit dem linken Bein nach vorne, auch die Hüfte
wird dabei nach innen gedreht. Gleichzeitig zur Hüftdrehung und
Veränderung der Fußstellung streift V mit der linken Faust oder dem Handrücken
das Gesicht des A im Nasenbereich zwecks Irritation. V dreht
sich weiter, greift mit dem linken Arm unter dem Ellbogengelenk
des A hindurch, so das dieses exakt auf dem Unterarm des V aufliegt.
Nun greift V mit seiner linken Hand nach seinem eigenen rechten
Unterarm und hält diesen fest. Während er Schultern und Arme
anhebt drückt er mit der rechten Hand das rechte Handgelenk des A nach unten wodurch eine Überdehnung dessen
Ellbogen - und Handgelenks erreicht wird. A wird sich reflex- und schmerzbedingt auf die Fußballen stellen, seinen Stand
destabilisieren und ist dadurch für eine Anschlußtechnik (z.B.
Kick mit der linken Ferse zwischen die Beine des A) leicht erreichbar.
In diesem Beispiel aber läuft etwas schief! Ehe es zu einer
erfolgreichen Überdehnung des Ellbogengelenks von A kommt, schafft
dieser es seinen Unterarm anzuwinkeln und zurückzuziehen. Dies könnte
geschehen sein weil V zu langsam war! Bild Nr. 5 zeigt deutlich die
dramatische Situation. V könnte nun versuchen mit KRAFT den
Unterarm des A wieder zu strecken. Da er aber weit weniger Körperkraft
als A aufweist, wäre kaum mit einem Gelingen zu rechnen und V würde
schnell dumm aus der Wäsche schauen! Statt dessen aber vollzieht
V nochmals eine Hüftdrehung nach links wobei die Fußstellung
entsprechend verändert wird. Anstatt den Arm des A zu dehnen beugt er nun denselben
nach hinten, also in die Richtung in welche A ohnehin schon gezerrt
hat. Dadurch kommt ihm die Kraft welche A in das Anwinkeln seines
Unterarmes eingesetzt hat zu Gute - sie addiert sich für kurze Zeit
der eigenen Kraft hinzu (bis A merkt was gespielt wird und darauf
reagiert - da aber jeder Mensch eine "Schrecksekunde" hat wird er
nicht unverzüglich reagieren können). Wichtig hierbei ist das das Handgelenk
des A nach innen gedrückt und somit gehebelt wird! Bei korrekter
Ausführung- vor allem auch mit der richtigen Geschwindigkeit-
wird A nun das Gleichgewicht verlieren und nach hinten kippen oder
zumindest ein Stück in die Knie gehen. In beiden Fällen stehen
geeignete Anschlußtechniken zur Verfügung! |
Wenn man darüber debattiert welche körperlichen
Leistungsmerkmale oder welche Kampftechniken „die Besten“ sind sollte man
unbedingt ein rigoroses Entweder-Oder -Denken vermeiden! Was die Bedeutung der einzelnen physischen
Faktoren (Kraft, Ausdauer, etc.) betrifft sei nochmals auf das zweite Hauptkapitel
meiner Homepage verwiesen.
An dieser Stelle deshalb nur ein paar knappe Sätze dazu:
Jeder Mensch hat andere Stärken und Schwächen. Was für den Einen sinnvoll ist,
nutzt einem anderen möglicherweise sehr wenig. Jemand mit 185 cm
Körpergröße und langen Gliedmaßen kann Kickbox- Techniken weitaus vorteilhafter
anwenden wie jemand der nur 160cm groß ist. Dieser jedoch könnte Judo-Techniken,
insbesondere Wurftechniken weitaus besser umsetzen als eine sehr großgewachsene
Person.
Am besten ist wenn man das trainiert was den eigenen Fähigkeiten am ehesten entspricht.
Man sollte dabei nicht rigoros an einem System, bspw. Taek-Wan-Do oder
Judo festhalten, sondern aus verschiedenen Bereichen brauchbare
Erfahrungen sammeln. Im Ernstfall sollte man nie das anzuwenden versuchen
was man nicht korrekt beherrscht. Für eine erfolgreiche Selbstverteidigung findet
man in mehreren Sparten, besonders auch in Wing-Tsun,
Aikido und Ju-Jitsu brauchbare Techniken die bei zeitlich und technisch
korrekter Anwendung zur Kompensation eines ungünstigen
Kräfteverhältnisses führen. Einige Beispiele werde ich nachfolgend
bildlich illustrieren.
Der UNTERSCHIED zwischen KAMPF und SELBSTVERTEIDIGUNG.
Nachfolgende Unterscheidung weist einen konstruierten, teils etwas imaginären
Charakter auf. Kampf und Selbstverteidigung können natürlich nicht rigoros und
statisch voneinander differenziert werden, ferner besteht eine fließende Grenze
zwischen den Begriffen.
Ein KAMPF IM
NÄHEREM SINN oder sagen wir im
EIGENTLICHEN SINN bedeutet zunächst natürlich eine körperliche
Konfrontation zwischen Kontrahenten- sei es nun im sportlichen Wettkampf oder in einer Kneipenschlägerei. Die Gegner bieten ihre Kräfte, ihre vorhandenen
physischen und technischen Ambitionen gegeneinander auf. Beide sind um offensive
Maßnahmen bemüht und versuchen aus der Summe ihrer jeweiligen Stärken einen Sieg
zu erreichen.
Im Falle einer Selbstverteidigung wird versucht eine
konkrete
Angriffs-Situation durch Anwendung
spezifischer Techniken
abzuwehren. Man vermeidet es dabei tunlichst die eigene Kraft gegen
die des Angreifers aufzubieten!
Zunächst geht es darum das Schädigungs-Potential der unmittelbaren
Angriffs-Aktion zu entschärfen, z.B. indem man sich aus einem Halte- oder Würgegriff
befreit, einem Fußtritt oder Fauststoß ausweicht oder abblockt. Nachdem die
unmittelbare Gefahr gebannt ist können je nach Situation eine oder mehrere Anschlußtechniken
angewandt oder im Zweifelsfall ein Rückzug eingeleitet werden. Ersteres könnte
z.B.
durch einen Schlag oder Tritt in eine sehr schmerzempfindliche Körperregion des Angreifers
(Kehlkopf, Genitailbereich, etc.) oder durch die Anwendung einer Hebeltechnik
erfolgen wie ich noch genauer veranschaulichen werde.
In der Theorie wird prinzipiell ein Angriff durch eine körperlich überlegene
Person unterstellt.
Deshalb gilt es eine
Kampfhandlung im näheren Sinne zu vermeiden, ja vielmehr könnte oder würde eine solche dem
Verteidiger zum Verhängnis werden.
GRUNDPRINZIPIEN DER SELBSTVERTEIDIGUNGSSYSTEME
-Als Verteidiger greife ich im
Normalfall niemals an! Ich überlasse dem Aggressor die Aktion und
beschränke mich primär auf die Reaktion! Ein gut trainierter SV- Kampfsportler
erkennt einen gegnerischen Fauststoß nicht erst nachdem er ihn erhalten hat. Für ihn besteht auch keine Erfordernis sich auf Hände
und Beine des Angreifers zu konzentrieren. Vielmehr ist er in der Lage
verschiedene Anzeichen einer konkreten Angriffs-Aktion aus den Augenwinkeln heraus
zu erkennen.
In wenigen besonderen Situationen
kann es sich ausnahmsweise anbieten einem
Angriff durch einen eigenen Angriff zuvorzukommen.
-Nie gegen die Stärken des Gegners ankämpfen sondern Möglichkeiten nutzen sie zu
umgehen I
Einen äußerst wichtigen Stellenwert nehmen
bei vielen SV- Techniken die sog.
„Hebeltechniken“ ein. Den
Begriff des Hebels findet man u.a. in der Mathematik, der Physik und in der
Technik (Mechanik). Eine Hebelwirkung bedeutet die Verstärkung einer
eingesetzten Kraft. Würde ich versuchen einen PKW-Motor aus einer Motorhaube zu
heben würde ich kläglich scheitern, insofern ich nicht zufällig zu den Kraftsport-Champs zähle. Versuche ich es mit einem Flaschenzug dessen zahlreiche
Umlenkrollen einen HEBELEFFEKT
erzeugen, wird es mir spielend gelingen, obwohl meine Körperkraft in Bezug auf
das zu bewegende Gewicht nach wie vor unrelevant ist. Auch bei der
Selbstverteidigung spielen Hebeleffekte eine zentrale Rolle. Hier versteht
man darunter eine schmerzhafte Fixierung eines oder mehrerer Gelenke (Finger, Ellbogen,
Schultergelenk) in einer unnatürlichen Stellung die den Angreifer zur Aufgage
zwingen oder ihn dazu nötigen soll eine bestimmte
Körperhaltung einzunehmen. Diese erzwungene Körperhaltung wiederum gestattet dem Verteidiger Folgeaktionen, z.B.
das Abführen des Aggressors . Hebeltechniken sollten bestenfalls aus dem fließenden
Angriff heraus und ohne großen Kraftaufwand angewandt werden können.
Beispiel für die Anwendung eines Handgelenkhebels
Situation: Angreifer (A) greift Verteidiger (V) am rechten Handgelenk
V führt seinen linken gestreckten Arm in einem weiten Bogen
über links außen nach oben. Würde er ihn gerade noch oben führen,
würde er an der Körperkraft des A scheitern. Gleichzeitig greift er
mit seiner rechten Hand an den Handrücken des A während er seine linke
Hand im Gelenk ruckartig nach links dreht, so daß auch der linke
Daumen nach oben zeigt. Nun knickt er das rechte Handgelenk das A ein
was natürlich nur funktionieren kann wenn dessen Arm weiterhin
ausgestreckt ist . Hierfür kann V sorgen indem er auf entsprechenden
Abstand zu A achtet (ggf. einen Schritt zurückweicht). Auch muß sich das Handgelenk von A im
entscheidenden Moment in einer vertikalen Position befinden! Wenn bis
hierher kein Fehler unterlaufen ist, wird A schmerzbedingt in die Knie gehen und
sich für Anschlußtechniken verwundbar zeigen. |
-Droht eine Abwehrmaßnahme zu scheitern macht es keinen Sinn sie unbedingt
fortsetzen zu wollen. Vielmehr muss spontan und zügig auf eine u.U. sogar völlig andere
Maßnahme zurückgegriffen werden.
- Täuschungs-und Überraschungsmanöver
können bei der SV ebenfalls eine wichtige Rolle spielen. In manchen Fällen ist
es indiziert einen kurzfristigen Scheinwiderstand zu leisten, um den Angreifer zur
Fortführung oder Wiederholung einer für ihn ungeeigneten Angriffsmaßnahme zu
verleiten, aus der man anschließend Nutzen für die eigene Verteidigung schöpfen
kann.
In manchen Budo-Sportarten wird auch vordergründig der Kampf mit
Waffen trainiert (außer natürlich Distanz- bzw. Schusswaffen) wie z.B. bei „Aikuchido“ wo der
Messerkampf im Zentrum steht.
Im Zuge diverser Selbstverteidigungs -Sportarten bereitet man sich ebenfalls auf
Situationen vor innerhalb derer eine Bedrohung mit einer Waffe erfolgt. Im Falle einer Schußwaffe besteht natürlich nur dann eine Chance wenn
sich der Aggressor in
allernächster Nähe befindet. Sollte man tatsächlich in die Situation geraten, gilt
es sehr genau
abzuwägen ob man einen Verteidigungsversuch unternimmt oder dem freundlichen
Herrn mit der Pistole nicht doch lieber die Brieftasche oder die
Autoschlüssel übergibt. Mit einem Stock oder Messer
angegriffen zu werden ist eine weitaus alltäglichere und ebenfalls höchst gefährliche Situation. Auch hier
gilt wie in nahezu allen denkbaren SV-Situtationen: “Theoretisch ist nichts aussichtslos“. Und auch in der Praxis würde die
zeitlich und technisch perfekt
angewandte Abwehrmaßnahme zum Erfolg führen. Der Schwierigkeitsgrad allerdings
ist ungemein höher, ebenso das Risiko schwerer Verletzungen. Stich- und Schnittverletzungen sind sehr gefährlich. Erstere weißen ein
sofortiges Tötungspotential auf wenn der Stich schnell und kraftvoll an
geeigneter Stelle (Hals, Herz, Lunge) erfolgt.
Die Gefährdung die von einem Messerstecher ausgeht steigert sich erheblich, wenn
dieser mit seinem Spielzeug auch umgehen kann, also über technische Fähigkeiten
und ein hohes Reaktionsvermögen verfügt. Es ist ein großer Unterschied ob eine unbedarfte
Person im Affekt zum Messer greift und in simplen Bewegungen, z.B. mit nach oben
gestrecktem Arm nach unten zusticht, oder ob ein
reaktionsschneller, geübter Typ seine Klinge wie unsichtbar in
fließenden, schnellen Bewegungen durch die Luft zischen lässt.
Man sollte prinzipiell gesehen schon einen verflucht guten Grund haben sich als
Unbewaffneter hier auf eine Konfrontation einzulassen. Wenn man keine Wahl hat stehen für den
Geübten aber auch in so einem Fall eine Reihe konkreter Abwehrtechniken zur
Verfügung!
Die
Voraussetzung einer realen Bedrohung sollte gegeben sein, ehe man sich dazu
entschließt irgendwelche SV-Techniken einzusetzen, die im Falle eines Scheiterns
die Aggression und Gewaltbereitschaft des Konfliktgegners anfachen können. Damit
möchte ich nicht andeuten das der Nutzen der Techniken nicht
gewährleistet wäre, sondern das es eben nicht ganz spielend leicht ist sie
präzise so auszuwählen und auszuführen ,wie es den Erfordernissen einer
gefährlichen Situation entspricht! Es kommt auf eine Reihe spezifischer Details
an!
Kampfsport- und
Selbstverteidigungstraining für Kinder und Jugendliche
- Sinnvoll oder Zweifelhaft?!
Hierzu gibt es denkbar unterschiedliche
Meinungen. Beginnen wir vielleicht mit den Argumenten der Skeptiker:
Zum Einen
geht es um die denkbare Möglichkeit Kinder und Jugendliche könnten im
Zusammenhang mit Kampfsporttraining ein erhöhtes Aggressionsverhalten
entwickeln.
Der Sinn der SV-Kampfsportarten liegt keineswegs darin Kinder und
Jugendliche zu Aggression und übertriebener Selbstbehauptung zu verleiten. Das
dieser Effekt in Einzelfällen auftreten kann möchte ich nicht leugnen,
vermutlich aber keineswegs öfter als bei unsportlichen Kindern oder bei Gruppen mit anderen sportlichen Schwerpunkten. Jedes Fußballspiel dürfte weitaus
mehr als eine SV-Trainingseinheit dazu prädisziniert sein, kurzfristig Ärger und aggressive Stimmung in kindlichen Köpfen
anschwellen zu lassen. Sport führt aber wie man weiß langfristig zu einer
Optimierung der sozialen Fähigkeiten eines Kindes, egal ob Fußball,
Kampfsport oder sonst was. Gründe für Aggressionen
bei Kindern und Jugendlichen sind vielschichtig und oftmals multikomplex
bedingt. Das Trainieren
körperlicher Fähigkeiten in der Gemeinschaft und unter pädagogischem Einwirken
eines kompetenten Trainers zählt sicher eher zu den denkbaren Lösungen solcher
Probleme als zu deren Ursachen!
Zum Anderen geht es um die erzielbare Effizienz, also um die Frage ob ein Kind,
ein Jugendlicher, ein Mädchen ungeachtet irgendwelcher technischer
Fertigkeiten überhaupt etwas auszurichten vermag. Es besteht kein
Zweifel das eine tätliche Konfrontation mit einer körperlich überlegenen Person
eine höchst gefährliche und anspruchsvolle Angelegenheit ist. Bestünde
hier nicht
eher die Gefahr, das Kinder und Jugendliche zu einer verhängnisvollen
Selbstüberschätzung und Selbstgefährdung verleitet werden? Nun: Die Möglichkeit zur
Selbstüberschätzung und Selbstgefährdung hat ein Mensch immer - ungeachtet seines
Vermögens oder Unvermögens. Wer leichtfertig
oder gar mutwillig eine tätliche Konfrontation riskiert oder gar provoziert,
hat die Philosophie des Selbstverteidigungs-Trainings sicher nicht
kapiert! Für
jemand der auf SV und die Erhaltung seiner eigenen körperlichen Unversehrtheit bedacht
ist, lautet das oberste Gebot, Gefahren zu vermeiden wenn sie sich vermeiden
lassen! Wenn einem aber eine tätliche Konfrontation aufgezwungen wird, hat
selbst ein
Kind die Chance sich in konkreten gefährlichen Situationen
innerhalb eines
gewissen Rahmens Vorteile zu
verschaffen und sich vor Schaden zu bewahren!
Nun - sicherlich wäre es höchst
illusorisch davon auszugehen das z.B. ein 10-oder 12 jähriges Mädchen mit
fundierten SV-Kenntnissen einen 90 Kilo schweren Vergewaltiger krankenhausreif
schlagen und an den Haaren zur Polizeistation schleppen würde.
Mit Sicherheit aber hätte sie weitaus höhere Chancen dem Drama zu entrinnen
indem sie Möglichkeiten zu Gegenwehr und Flucht eher erkennen und nutzen könnte. Wenn sie
es auch nur schafft sich aus einem Halte- oder Würgegriff herauszuwinden oder verhindern
kann
in ein Auto gezerrt zu werden, dann wäre dieses Ergebnis in Verbindung mit einer
erfolgreichen Flucht schon um viele hundert Prozent besser als vergewaltigt und
aufgeschlitzt zu werden! Es ist bereits schon als Vorteil zu betrachten wenn
ein Kind zumindest psychologisch mit der Thematik solcher denkbaren Gefahren vertraut
ist und im Ernstfall nicht vor Angst in Bewegungsunfähigkeit erstarrt, sondern
wenigstens laut schreit um
ggf. die Aufmerksamkeit anderer Personen auf sich und den Angreifer zu ziehen.
"Aber wird ein Täter nicht noch
brutaler, wenn das Opfer versucht sich zu wehren?" - Dieses Argument kann
im Falle eines gescheiterten Verteidigungsversuches
zutreffen - je nach Täter-Typ. Pauschalisiert werden kann diese Aussage
aber mit Sicherheit nicht- auch das Gegenteil ist möglich!
Gerade sexuell motivierte Gewaltverbrecher mit
besonderem Augenmerk für Kinder suchen sehr häufig bewusst nach
verängstigten, sensiblen, schwachen Opfern damit sie ihre Überlegenheit
uneingeschränkt ausspielen können. Für nicht wenige Subjekte aus dieser Tätergruppe
wäre ein selbstsicher erscheinendes oder nicht restlos einzuschüchterndes Opfer
sogar irritierend und eher weniger interessant!
Es sind zahlreiche
Fälle von Tätern dokumentiert, die durch heftige Gegenwehr von ihrem
ursprünglichen Vorhaben abgehalten wurden, obwohl sie das Opfer prinzipiell
überwältigen hätten können! Ihr perverser Plan verlief nicht im Sinne ihrer
Vorstellung, das vermeintliche Opfer passte durch sein Verhalten nicht gut genug
in das mentale "Opfer-Schema" oder die "Opfer-Vorstellung" des Täters.
Jeder Mensch (ob "normal" oder
"gestört") hat ständig so etwas wie ein "inneres Drehbuch", ein mentales
Verhaltenskonzept im Kopf. Dieses Konzept kann kognitiv präzise strukturiert
sein und sich über einen länger vorausschauenden Zeitplan erstrecken, es kann
aber auch nur in Form einer impulsiven, nonverbalen und inhaltlich äußerst vagen
("atmosphärischen") Vorstellung
vorhanden sein. Dieser "Plan" oder diese vage Vorstellung bezieht sich darauf,
was man als nächstes zu tun gedenkt, mit welchen Ereignissen man ungefähr
rechnet bzw. wie die unmittelbar folgende Zukunft (die nächsten Augenblicke)
ungefähr verlaufen könnte. Die Vorstellung beinhaltet also auch eine Art "innere
Wahrscheinlichkeitsberechnung" die vom Unterbewusstsein generiert wird. Wenn
nun dieses "innere Drehbuch" durch unerwartete äußere Ereignisse ins Stocken
gerät, ändern sich zumeist auch die aktuellen Handlungsabsichten eines Menschen.
Zumindest durchlebt die betreffende Person jedenfalls eine mehr oder weniger
ausgeprägte "Irritationsphase", welche das vordergründige Verhaltensschema ins
Stocken bringt und einige Augenblicke der inneren Bewertung und Neuausrichtung
erforderlich macht. Einige Sekunden der Irritation (des Täters) können für ein
Opfer sehr gewinnbringend sein!
Gerade was die Befreiung aus Würge- und Festhaltegriffen betrifft stehen eine
Reihe sehr effektiver Methoden zur Verfügung, die auch bei einem wirklich enorm
ungünstigem Kräfteverhältnis ihre Wirkung entfalten! Sie stellen bei korrekter Ausführung selbst für ein Kind bei einer
Konfrontation mit einem Erwachsenen eine durchaus konkrete Chance dar!
Nachfolgend ein paar sehr einfache Beispiele:
SITUATION: Verteidiger (V) wird von hinten gewürgt. Die Distanz
zum Angreifer (A) ist in diesem Beispiel weit - andern Falles
müßte eine andere Technik angewandt werden
V beugt den Oberkörper nach vorne, ggf. macht er
zur Erleichterung dieser ersten Aktion gleichzeitig einen kleineren Schritt nach hinten. Während der Beugung dreht er sich nach links
wobei auch die Fußstellung dementsprechend geändert wird (linkes Bein
einen Schritt Richtung A). Somit steht er in gebeugter
Körperhaltung seitlich zum Angreifer. Der Griff des A wird sich
zwangsläufig lösen oder lockern. Nun wird die Körperdrehung
fortgeführt während sich der Oberkörper wieder aufrichtet. Dies
geschieht mit hoher Geschwindigkeit um Schwung zu holen!
Die linke Faust drückt dabei in die rechte Handfläche, die Unterarme
bilden vor dem Körper eine gerade Linie. V ist nun darauf bedacht mit
dem linken Ellbogen einen sensiblen Punkt des A zu treffen (,Kinn, Kehlkopf,
Nasenbein, Auge). Unmittelbar anschließend wäre ein Kniestoß mit dem
rechten Bein in den Genitailbereich des A denkbar - insbesondere falls
der Ellbogenstoß nicht gut gelandet sein sollte.
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SITUATION: Verteidiger (V) wird von vorne gewürgt. Distanz zum
Angreifer (A) ist auch in diesem Beispiel weit.
V zieht die Schultern hoch und spannt dabei Hals- und Genickmuskulatur
an. Bei diesem ersten Schritt handelt es sich um eine
automatische Reaktion die jeder Mensch in so einer Situation
unbewusst ausführen würde. Nun ballt er die rechte Hand zur Faust und
streckt sie senkrecht nach oben (insofern er kein Linkshänder ist -wie
mein Neffe der mir freundlicher Weise beim Erstellen der Bildserien
half). Nun dreht er die Hüfte etwas nach innen was auch hier wieder
mit einer Veränderung der Fußstellung einhergeht. Gleichzeitig schlägt
er die rechte Faust schwungvoll zwischen den Unterarmen des A hindurch
in Richtung Boden. Dadurch und begünstigt durch die Hüftdrehung wird
sich der Griff des A lösen! Nun richtet V seinen Oberkörper der beim
Faustschlag nach unten mit in die Tiefe gebeugt wurde wieder
schwungvoll auf. Seine rechte Faust umschließt er mit der linken Hand
(oder umgekehrt) während die Ellbogen wieder eine gerade Linie vor dem
Körper bilden. Der linke Ellbogen sollte günstigsten Falles einen
sensiblen Bereich des A treffen ( Kinn, Hals, Kehlkopf, Nase, Auge). Auch
hier könnte anschließend das rechte Knie für einen Stoß in den Bauch
oder den Genitailbereich benutzt werden. |
Einer der eindeutigsten Vorteile die sich
aus frühzeitigen
Trainingsbemühungen ergeben besteht darin, das die
Leistungsfähigkeit des Trainierenden als Erwachsener einmal umso höher sein
könnte, je früher er damit begonnen hat. Dieser Umstand trifft prinzipiell
auf die meisten Sportarten zu, er stellt aber den Sinn eines späten Erlernens
von Kampf - oder SV- Techniken nicht in Abrede!
Das beste Lernalter für motorische Bewegungsabläufe liegt zwischen dem 6. und 12.
Lebensjahr. Das so junge Kinder bereits Kampfsport und
insbesondere auch Selbstverteidigungs-Techniken trainieren ist keine Seltenheit.
Ich persönlich sehe hierin durchaus eine Zweckmäßigkeit. Schließlich werden
gerade im Kampfsport sehr anspruchsvolle und komplexe motorische Bewegungsmuster
trainiert. Freilich wäre es ein Unfug schon kleine Kinder
hart auf Kraft, Schnelligkeit und Ausdauer trainieren zu lassen. Dies wäre im
Gegenteil (insbesondere bei Krafttraining ) sogar sträflicher Leichtsinn im
Hinblick auf deren Gesundheit, da der passive Bewegungsapparat in diesem Alter
noch sehr entwicklungsbedürftig ist. Ein vernünftiger Trainer wird auch dafür
sorgen das Kinder z.B. keine harten Kampftechniken trainieren und
anwenden. Vielmehr müssen die primären Trainingsziele in diesem Alter auf
Steigerung des Konzentrations- und Koordinationsvermögens sowie auf
Verbesserung der Beweglichkeit und der Körperbeherrschung schlechthin
hinauslaufen.
Darüber hinaus sollte man bei der
Beurteilung der Bedeutung eines (SV) -Kampfsporttrainings nicht nur die sportartspezifischen
Leistungsverbesserungen bedenken. Ein gesteigertes Reaktions- und
Koordinationsvermögen, eine Verbesserung der Beweglichkeit und der
allgemeinen motorischen Fähigkeiten sind auch im Alltagsleben vorteilhaft indem
sie Gesundheit und Wohlbefinden verbessern.
Abschließend seht ihr noch eine
SV- Bildserie welche die Befreiung aus einem Würgegriff zeigt: